Traumstundenfees Bücherkiste

Montag, 8. Dezember 2014

08.12.2014 - Kinder, Katzen ...

... Katastrophen!

Christian Bass fluchte bei jedem Trailer darüber, dass unsere Buchtitel Programm bei der nachfolgenden Trailererstellung waren und ihrem Namen immer alle Ehre machten. Wobei - bei unserem ersten gemeinsamen Trailer fanden wir das ja sogar noch lustig ...

sollte das erste Buch 2012 werden. Aber weit gefehlt. Denn die Frühjahrsanthologie des Traumstunden Verlag Essen startete mit so vielen Pannen, dass sich diese sogar irgendwann auf den Veröffentlichungstermin auswirkten. Und ich Alf Rollas Krimi "Ein Mord ist keine Lösung" vorzog, um überhaupt etwas an den Start zu bringen, denn es galt, der Gerüchteküche den Riegel vorzuschieben, die da von Schliessung und Verlagsaufgabe sprach ... 

ISBN: 978-3-942514-21-7, Preis 12,90 Euro


Aber ist es vermessen zu behaupten "Dieses Buch stand unter keinem guten Stern!"? Ja und nein. Ich bin normal nicht abergläubisch, aber bei der Anzahl von Autoren hätte ich vielleicht besser mal selber "die dreizehnte Fee" gegeben. Darauf nämlich hatte ich bewusst verzichtet - bin ich selber doch schon mehrfach veröffentlicht  und wollte dieses Mal denen den Vorzug geben, die damit noch nicht aufwarten konnten. Und denen, denen eine Geschichte besonders am Herzen lag, die zum Thema passte. 

Wunderbare Menschen habe ich durch diese Anthologie (näher) kennen lernen dürfen. Wie eben Christian Bass, der seitdem unsere Buchtrailer fertigte und ein echter Freund, nicht nur in Verlagsfragen, geworden ist. Wie Lotte-Maria Kaml, die inzwischen ihren "Zauberwald" bei uns veröffentlichte. Einige Autoren kannte ich ja bereits - so beispielsweise Alf Rolla oder Barbara Kopf. Regina Fouque´ ist ebenso mit von der Partie und zeigt, dass sie noch etwas anderes schreiben kann als Krimis.  

13 Stück waren es schlußendlich. Und in der Schaffensphase des Buches war ich  - ehrlich gesagt -  mehr als einmal geneigt, das ganze Projekt in die Tonne zu treten. Denn die Unstimmigkeiten nahmen kein Ende und fanden sogar noch einen Höhepunkt, als ich, anhand einer Musterberechnung der zu erwartenden Autorentantiemen für den Einzelnen vorschlug, doch lieber eine gemeinsame Spendenaktion für einen gemeinnützigen Verein daraus zu machen. Ich stand vor geteilten Lagern. Und fragte mich ein weiteres Mal, ob es sinnvoll wäre, dieses Buch überhaupt zu bringen ...

Irgendwann hat es dann doch geklappt. Und "Kinder, Katzen, Katastrophen" startete als Frühjahrsanthologie an den Markt. Doch wer glaubt, dass das Drama damit ein Ende hätte, den muss ich enttäuschen, denn sowohl beim Trailer als auch beim späteren Verkauf setzten sich die Katastrophen fort. Und gingen soweit, dass eine Autorin bat, bei einer eventuellen Neuauflage "nicht mehr dabei sein zu müssen".

Auch das Buchcover entpuppte sich als nicht die glücklichste Wahl. Und im kommenden Jahr wird das eBook - wie im Übrigen alle noch im Verlag befindliche eBooks - einmal komplett überarbeitet und dann hoffentlich auch "Apple-ready" werden. Leben ist Veränderung - wie man sieht, auch das Leben eines Buches!


Was bleiben wird ist, dass die Tantiemen komplett an die SOS-Kinderdörfer gespendet werden! Auch in 2015!

Passt auf Euch auf!

Freitag, 5. Dezember 2014

05.12./06.12.2014 - Der Weg zurück ...

... nach Weihnachten


Nun liebe Kinder, gebt fein acht, 
ich hab euch etwas mitgebracht!
Doch auch für die großen Leut´ 
lohnt es sich, zu lesen heut!

Eine Geschichte findet ihr gleich
denn Nikolaus macht die Herzen reich!
Den Weg nach Weihnachten versüßt dieser Mann
und tut sein Leben lang, was er kann

Nun lest in Ruhe, und nehmt mit euch heim
Für jeden von Euch kann wieder Weihnachten sein!



Juli war es – wenn man das Wetter außer Acht ließ. Ansonsten eher November. Vielleicht deswegen fand sie sich dabei, über Weihnachten nach zu denken. Hatte das Jahr den Zenit überschritten und wurden die Tage kürzer, schien es ihr, als würde die ganze Welt beginnen, sich auf das Jahresende ein zu stimmen, dessen größtes Fest eben Weihnachten war. Das Weihnachtgeschäft der Konsumentengemeinde begann dann bereits im Oktober. Und regelmäßig jedes Jahr geschah es, dass sie sich in der Zeit zurück sehnte. In die Kindheit, die Zeit der Wunder und der Vorfreude. In die Zeit, in der es für sie und viele andere die wichtigen Dinge im Leben noch in keinem Laden zu kaufen gab. In der Worte wie „Zärtlichkeit, Wärme, Geborgenheit“ noch einen Sinn machten, der unabhängig war von Konsumgütern und deren Besitz.
In ihrem eigenen Leben spielten diese Konsumgüter bis heute keine Rolle. Aber obwohl sie sich den Zeichen der Zeit verweigerte, fand sie doch die „andere Seite“ nicht wieder.  Sie liebte Bilder von Adventkränzen, sah sie einen Kamin und Kerzen, wurde ihr warm – aber jeder Versuch, dieses tief in sich verschlossene Gefühl wieder zu leben, scheiterte. Die Realität sah eben anders aus und ihre romantische Ader verschloss sie – tiefer und tiefer.
Wie um sie aus ihren Gedanken zu reißen, sprang ihr im gleichen Moment ihr Emailmelder auf den Bildschirm. „Besser ist das!“ sprach sie halblaut und mehr zu sich selbst als zu der silbergrauen Katze auf ihrem Schreibtisch und wechselte die Bildschirmansicht, um einen Blick in die eingegangene elektronische Post zu werfen. Doch die einzige, eingegangene Mail darin ließ sie stutzen und schaudern zugleich.
Seitenfüllend das Bild eines „Weihnachtszimmers“ – auf dem Tisch ein Adventkranz mit vier brennenden Kerzen – ein Kamin und dahinter ein schön geschmückter, hell strahlender Weihnachtsbaum unter dem sich Päckchen und Pakete, festlich verschnürt nur so stapelten. Fast meinte sie, den Duft der Kekse in der Schale auf dem Tisch zu riechen, das Knacken des Feuers im Kamin zu hören und lange Minuten verweilte sie in seiner Betrachtung bis sie meinte, die Flammen würden sich bewegen. Dann schalt sie sich eine Närrin und machte die Mail zu, löschte sie, ohne ihr auch nur einen weiteren Blick zu schenken. Aber während sie arbeitete konnte sie sich nicht dagegen wehren, dass immer wieder dieses Bild vor ihrem inneren Auge auftauchte.
In den nächsten Tagen hatte sie wenig Zeit, an Weihnachten zu denken. Die kleinen und größeren Alltagsprobleme forderten ihre völlige Aufmerksamkeit und fast schon hatte sie die Mail vergessen als sie sie genau eine Woche später wieder in ihrem Mailpostfach fand. Wieder fesselte das Bild ihre Aufmerksamkeit. Immer noch enthielt die Mail kein Wort Text  - doch irgendetwas war anders. Und bei genauer Betrachtung dann sah sie es. Die Kerzen am Weihnachtsbaum brannten nicht mehr. Was hatte das zu bedeuten? Sie warf einen Blick auf die Absenderadresse. noreply@weihnachten.de aber es wunderte sie nicht, als sie feststellen musste, dass die Domain zwar vorhanden aber nicht aktiv war. Wenn man ein wenig mehr über die Bedeutung der Mailadresse nach dachte kam man nämlich auf mehr als eine Bedeutung. „no reply“ hieß nämlich „keine Antwort“ – und es gab tatsächlich keine Antwort auf Weihnachten. Es gab nichts, das in der Lage wäre, dieses spezielle Gefühl zu ersetzen. DAS konnte nur Weihnachten. Aber auch da gab sie dem Bild und seiner Entwicklung Recht – Weihnachten drohte, seinen Glanz zu verlieren. Und ihr war jetzt – obwohl inzwischen draußen wieder über 30 Grad herrschten, nach Kerzenlicht.  Den Rest des Tages begleitete ihre Arbeit eine brennende Kerze.

Diesmal vergingen 14 Tage bis zur nächsten Mail. Es wunderte sie nicht, als sie feststellte, dass das vorher hoch lodernde Feuer zu einem glimmenden Aschehaufen verbrannt war und dem Bild ein weiteres Stück Licht – und Wärme nahm. Trauer machte sich in ihrem Herzen breit – Trauer, und der Wunsch etwas gegen diese, inzwischen sicher scheinende Entwicklung zu tun. Ein weiteres Mal rief sie die dazu gehörige Domain auf und diesmal stand dort „In Vorbereitung“. Wer immer hinter dieser Mail steckte, er dachte sich etwas dabei – und er dachte sich eine ganze Menge. Sie selber dachte inzwischen eben so viel und fand sich bei dem Entschluss wieder, dieses Jahr Weihnachten nicht so spurlos an sich vorbei gehen zu lassen, wie sie es die letzten Jahre getan hatte. Dieses Jahr wollte sie den Advent wieder bewusst erleben, die Zeit der Vorbereitung auf die Ankunft des Christuskindes ganz für sich nutzen und sich selber wieder einstimmen auf das innere Gefühl in ihrem Herzen. Niemand außer ihr wäre in der Lage, für sie wieder zu finden, was ihr seit ihren Kindertagen mehr und mehr verloren gegangen war. Und sie allein würde den Weg gehen müssen – zurück in der Zeit – zurück zu sich selbst. Was genau bedeutete denn für sie „Weihnachten“? Waren es die Gerüche? Die Farben? Die Kerzen? War es die allgemeine Feierlichkeit oder der Schmuck? Waren es Lichterglanz und strahlende Kinderaugen? Alle diese Fragen galt es zu beantworten – und das ganze vor Dezember – denn am Ende der Adventszeit sollte dieses Jahr für sie wieder „Weihnachten“ stehen. Weihnachten für das Herz – nicht für den Kommerz.
Den scheinbar noch früher als sonst stattfindenden diesjährigen Weihnachtkommerz sah sie daher aus einem ganz anderen Blickwinkel. Statt sich davon genervt zu fühlen, nahm sie aktiv teil daran, nutzte die Zeit für ihre eigenen Vorbereitungen. Es galt Kerzen zu erstehen, Lichterketten und Schmuck, denn in ihrem Haushalt war für all das die letzten Jahre kein Platz mehr gewesen. Dem Wunsch, sich aus Bequemlichkeit für einen künstlichen Tannenbaum zu entscheiden, widerstand sie. Gehörte nicht auch das dazu? Das Kaufen des Baums kurz vor dem Fest in Eis und Schnee, der Transport mit beinahe tief gefrorenen Fingern und das langsame wieder auftauen zu hause bei Keksen und Kakao. Ihre Mutter hatte seinerzeit an diesem Tag immer ein wenig vom sorgsam gehüteten Weihnachtgebäck her gegeben und sie erinnerte sich mit ein wenig Wehmut an das Zusammensitzen oft noch in Jacke und mit Handschuhen in der Küche. Das Ausziehen lohnte nicht, weil der Baum meist noch an seinen Endstellplatz verbracht werden musste und noch schneebedeckt vor der Türe lag. Wirklich helfen konnten die Kinder ihrem Vater dabei nicht – aber er hatte sie das nie spüren lassen, das wurde ihr ebenfalls heute zum ersten Mal klar. Eigentlich hatten sie ihm in den Füßen gestanden die gesamte Zeit, aber nie war ein böses Wort gefallen. Der Kauf des Christbaums und die dazu gehörigen Tätigkeiten waren Ritual gewesen. Eines der Rituale, die sie schmerzlich vermisste. Dieses – und noch viel mehr.
Immer noch begleiteten „Erinnerungsmails“ ihren „Weg zurück nach Weihnachten“. Interessanterweise blieben sie nach wie vor ohne Text – doch auf der Internet Domain schien im Gegenzug zum Verblassen des Bildes auf der Mail ein neues Bild zu entstehen. Noch war nichts erkennbar – außer Schemen und Umrisse – und wie ein Kind begann sie sich auf jede kommende Mail zu freuen, denn mit dieser würde auch wieder ein Stück mehr an dem Bild auf der Domain entstehen, das wusste sie.
Schneller als erwartet kam der Dezember heran. Scheinbar auf Knopfdruck begann der erste Dezember mit Nachtfrost und Raureif und tief sog sie auf ihrem Balkon die frostige Luft in ihre Lungen. Selbst diese schien ein bisschen etwas ihrer Kinderzeit mit zu bringen. Die Welt roch anders, wenn es kalt wurde, das war ihr noch nie so wirklich bewusst gewesen, aber jetzt spürte sie es mit jeder Faser ihres Körpers. Und statt der Kälte den Weg zu verwehren, genoss sie diese in vollen Zügen.
Als das Wetter schlussendlich ein paar Tage später mit Schnee daherkam, fand sie sich dabei wieder, diesen zu genießen. Wiederum zum ersten Mal seit langen Jahren war es ihr kein Angang, den Wagen stehen zu lassen und ihre Einkäufe zu Fuß zu erledigen. Die im übrigen komplett anders aussahen als noch die vom letzten Jahr. Weihnachtsnaschereien in den unterschiedlichsten Arten vermehrten sich in ihren Einkaufstaschen zu einem bunten Potpourri und was nicht am PC direkt genascht wurde, landete auf einem großen, bunten Teller, den sie in die Mitte ihres Adventkranzes auf ihrem Esszimmertisch stellte. Nur selten saß jemand an diesem, für sie eigentlich viel zu großen Tisch – aber in diesem Jahr störte sie dieser Umstand nicht. Sie nutzte die freie Tischfläche, schmückte sie mit festlich vorbereiteten Tannenzweigen, und wie seinerzeit in Kindertagen zog sie am 04. Dezember los und suchte einen Blumenladen auf, der Kirschzweige im Angebot hatte. Eine Bodenvase kaufte sie gleich mit dazu. Wenn sie Glück hatte, würden diese am 24. Dezember blühen – und wie ihre Mutter seinerzeit, plante sie, die später getrockneten Zweige zusammen mit Korkenzieherhasel- und Forsythienästen im Frühjahr zum Osterstrauß umzufunktionieren. Inzwischen kamen die Emails täglich und das zunehmend verblassende Bild machte sie nicht länger traurig, denn das Bild auf der Domain wuchs und gedieh. Die ursprünglich nostalgisch anmutende Darstellung wich einer moderneren. Zwar gab es auf dem neuen  Bild keinen Kamin mehr aber dennoch wurde die Darstellung des „modernen Weihnachtszimmers“ von viel Licht und Wärme begleitet und diese nahm täglich an Intensität und Tiefe zu. Hatte vorher ein altdeutsches massives Eiche Sofa den Raum dominiert, stand an seiner Stelle jetzt eine moderne Wohnlandschaft – und auf einer Decke, der man ihre Weichheit und Wärme regelrecht ansehen konnte, räkelte sich eine Katze. Statt des Kamins sah man jetzt einen modernen Heizkörper – doch war er geschmückt mit Tannengirlanden, roten und goldenen Schleifen.
Am 24. Dezember war das Bild in der Mail nur noch als Schatten zu erkennen. Ein Schatten, den ein Satz zierte: „Es war einmal“. Und auch das Bild auf der Internetpräsenz trug einen Text …
„Liebe Freunde von Weihnachten,
ich hoffe, es ist mir gelungen, es wieder in Euch zu wecken. Dieses Gefühl, ohne das die letzten Jahre nicht vollständig zu sein schienen. Ich hoffe, ihr habt verstanden, dass Warten nicht immer mit Nichtstun oder Untätigkeit zu tun haben muss, sondern mit Bewusstsein und Bewusst werden. Als Kinder lernten wir die Rituale, die der Alltag uns als Erwachsene vergessen ließ, doch ihr Verschwinden hinterließ Lücken, die nichts anderes zu füllen imstande war. Es war und es ist nicht zu spät dafür, das Kind in uns wieder zu wecken – wir müssen es einfach nur tun!“
Unterschrieben war dieser Text mit „Ein Freund“
Und am Baum auf dem Bild – wie an ihrem – erhellten echte Kerzen die Nacht des heiligen Abends.

(c) B. Wisniewski, veröffentlicht 2011

Passt auf Euch auf! 
Britta Wisniewski
Traumstunden Verlag Essen