Traumstundenfees Bücherkiste

Dienstag, 26. August 2014

26.08.2014 - Warum Verlage wollen ...

... dass Autoren ihre Bücher selbst verkaufen

Mitternächtliche Rechenexempel mit Autoren sind immer wieder schön, stelle ich gerade fest. Vor allem, wenn es darum geht, die Abwicklung der Vorbestellungen zu besprechen. Also die von den Büchern, die die Autoren selbst an ihre Endkunden verkaufen.

Warum wollen Verlage eigentlich, dass ihre Autoren so viele Bücher wie irgendwie möglich selbst verkaufen? Was haben sie davon? Solche und ähnliche Fragen sind leider immernoch an der Tagesordnung und zeigen mir, dass nach wie vor bei den Autoren keinerlei Klarheit über den Geldfluß im Verlagswesen herrscht und sich die "Lüge" von den vielverdienenden Verlagen hartnäckig hält.

Also: Machen wir das Rechenexempel noch einmal auf? Auch wenn es sich schon hunderte Male irgendwo in den Weiten der Blogger und Verlage befindet und nie gelesen, nie wahrgenommen wurde? Ja, das machen wir!

Beispiel 1:
Der Autor verkauft die Bücher an die Endkunden

Verkaufspreis Buch: 12,90 Euro
Einkaufspreis Autor: 9,68 Euro (25% Rabatt)
Anteil Autor: 3,22 Euro
Anteil Verlag 9,68 Euro

Auf den ersten Blick verdient der Verlag das dreifache des Autors. Auf den ersten Blick! Denn was viele bei dieser Rechnung vergessen ist, dass dem Verlag Kosten entstehen/entstanden sind, die der Autor im klassischen Geschäftsmodell gar nicht hatte! Legen wir nur einmal die Druckkosten zugrunde - in diesem Beispiel nehmen wir einfach mal 3,- Euro und die Versandkosten - in diesem Beispiel sind das 0,50 Euro pro Buch - dann bleiben von diesen 9,68 Euro nur noch 6,18 Euro übrig. Immernoch fast das Doppelte von dem, was der Autor verdient, meint ihr. Und ich lasse das jetzt erst einmal so stehen ... ohne weitere Diskussion und gehe in das zweite Beispiel.

Beispiel 2:
Der Verlag verkauft das Buch an den Buchhandel

Verkaufspreis Buch 12,90 Euro
Einkaufspreis Großhandel: 6,45 Euro
Anteil Autor: 1,21 Euro
Anteil Verlag 5,24 Euro

Immernoch verdient der Verlag auf den ersten Blick ein Vielfaches des Autors. Doch schon, wenn man nur die Druckkosten und Porto und Verpackung von  - gleich zum Vorbeispiel - insgesamt 3,50 Euro abzieht, ergibt sich ein ganz anderes Bild! Denn dann stehen für den Verlag am Ende und unter dem Strich noch ganze 1,74 Euro/Buch.

Es gibt noch ein paar andere Verkaufsmodelle, die auch noch zum Tragen kommen, aber gehen wir jetzt mal einen Schritt weiter. Nehmen Berechnung eins und zwei zusammen und berechnen daraus eine Mischkalkulation, dann ergibt sich (6,18 +1,74)/2=3,96 Euro pro Buch.

Wollen wir dieser Summe noch die Mehrwertsteuer entziehen? Oder ausrechnen, wieviele Bücher ein Verlag verkaufen muss, damit er sich "nur" Büromiete und Lagerkosten leisten kann? Viele Kleinverlage arbeiten unter Bedingungen, die mehr als nur schlecht sind, um ihren Autoren weiterhin den Support leisten zu können, den diese brauchen. Denn er besteht weniger aus großartiger Werbung als im Erklären der Spielregeln. Kleinverleger sind häufig Freunde und Familie für ihre Autoren! Sie stehen ihnen zur Seite, wenn das Haifischbecken Buchmarkt einmal mehr sein wahres Gesicht zeigt. Es geht um Abläufe, um Dinge, die zu tun und Dinge, die zu lassen sind. Und nicht nur ich bin zu oft unmöglichen Zeiten für meine Autoren da. Viele meiner Verlegerkollegen machen und halten das ebenso. 

Wieviel Bücher muss also nun ein Verlag verkaufen, damit er nur ansatzweise auf seine Kosten kommt? Gehen wir davon aus, dass eine dreiköpfige Familie ein monatliches Netto von ca 3000,- Euro erwirtschaften muss um ansatzweise gut leben zu können, reden wir vom Gewinn - NACH Abzug aller Kosten wie Miete, Strom, Telefon, Werbung etc. die für den Verlag anfallen. Und kommen damit auf einen Umsatz von 10.000 - 15.000 Euro monatlich, den ein Verlag machen müsste um diese zu erwirtschaften. 

Vom Schreiben reich zu werden - diesen Traum träumen viele Autoren. 
Verleger  - zumindest die meisten - geben innerhalb ihres ersten Jahres am Markt den Traum auf, jemals davon leben zu können, was ihre Autoren schreiben. Und machen trotzdem weiter. Immer in der Hoffnung, dass ihnen doch eines Tages einmal der "große Wurf" gelingt - oder die Summe der Gesamtumsätze ein Level erreicht, bei dem mehr über bleibt als nur die Steuervorauszahlung für den nächsten Monat. Und einige von Ihnen treffen eine folgenschwere Entscheidung ... und bieten irgendwann bezahlte Dienstleistungen an. 

Wird dies am Markt bekannt, ist ein Sturm der Entrüstung die Folge! Wie kann ein Verlag es sich wagen, "Druckkostenzuschüsse" zu nehmen?! Der jetzt losschlagende Shitstorm hat oft verheerende Folgen. Das Vertrauen der Autoren in ihren Verlag wird zerstört, es kommt zu Abwanderungen, im schlimmsten Fall muss der Verlag schließen ... weil er genau dies zu verhindern versuchte. Ein Armutszeugnis für den Markt, an dem wir arbeiten! Denn in meiner kompletten obigen Kalkulation waren die Stunden nicht enthalten, die mancher Verleger damit verbringt, Bücher zu lektorieren, zu setzen, Cover zu designen, Videos zu produzieren, Bücher zu versenden etc. etc. etc. Allein eine Lagerfachkraft bekommt im Monat bis zu 2400 Euro brutto  - mancher Verleger hat weniger ... viel weniger. Und bezahlt von diesem Geld noch Messeteilnahmen, Printwerbung, Büromaterial ... und seine Zeit. 

Lohnt sich das? Lohnt sich das wirklich? 
Nach über vier Jahren am Markt sage ich: Verleger sein heisst Künstler sein! Heisst, seine Zeit nicht in Rechnung zu stellen und für die Freude zu arbeiten, die ein Autor zeigt, der nach vielen langen harten Stunden, Tagen und Wochen sein Buch endlich am Markt hat. wohl wissend, dass diesen Autor nach einiger Zeit "der Blues" packen wird, wenn von den 10.000 erwünschten verkauften Büchern nur 100 wirklich Kunden gefunden haben.

Und bevor ihr jetzt auf die Idee kommt, mich zu fragen: Warum tust Du Dir das an? gehe ich lieber ins Bett! Schließlich ist es schon wieder 3:15 und um 6 Uhr geht der Wecker! Schlaft gut und 

Passt auf Euch auf! 

Mittwoch, 20. August 2014

19.08.2014 - Warum Menschen aus Mücken Elefanten machen - oder:

... Mülheim mit L vor dem H

Donnerstag ist Premiere. Die meisten von Euch wissen ja, dass ich inzwischen Theater spiele. Ja und jetzt geht es natürlich auch darum, so viel als möglich Gäste zu diesem Ereignis einzuladen. Der Spielort sorgt jedoch einmal mehr für Fuore.

Mülheim a.d.R. widersetzt sich nämlich dem, was jeder von uns in der Schule gelernt hat. Obwohl mit Sicherheit von "Mühle" ableitbar, schreibt sich dieser Ort ohne h nach dem ü. (der mit h steht woanders und ist ziemlich weit von hier entfernt). Ich gestehe - auch mich hat dieser Schreibfehler schon erwischt - und ausgerechnet ein Mülheimer musste mich darauf aufmerksam machen, dass ich seinen Heimatort falsch schrieb. Peinlich. 

Inzwischen bin ich in guter Gesellschaft! In mannigfaltiger Erwähnung fand sich dieser Schreibfehler wieder und einige meiner Theater-Kollegen standen inzwischen entweder auf der einen - oder auf der anderen Seite der Medaille: Entweder waren sie diejenigen, die den Schreibfehler machten - oder die, die ihn bemerkten - mit mehr oder weniger Humor. Die Angriffsfläche, die sich bot, war jedenfalls mehrfach die gleiche: Interessanterweise wurde  - Schriftstellern wie Schauspielern - so sie denn diesen Schreibfehler machten - immer mit ihrer doch eigentlich vorherrschenden Intelligenz begegnet.

"Also Du als Autor ..." 
"Und ich dachte immer, Schauspieler müssten intelligent sein ..."

Die Antworten der Angesprochenen waren ebenso "mannigfaltig" wie die "Angriffe" der Fehlerfinder - aber eines fiel mir dabei immer wieder auf - und als es mir heute wieder einmal begegnete, hab ich es einfach mal zum Thema gemacht.

Fakt ist: Ich bin von intelligenten Menschen umgeben! Darauf lege ich Wert und das ist mir wichtig. Fakt ist auch: Ich bin von Ruhrgebietlern umgeben. Und DIE wissen normalerweise, wie man Mülheim schreibt. UND ich bin von Mülheimern umgeben - und DENEN sollte ich besser NICHT unterstellen, dass sie ihren Heimatort nicht schreiben können, selbst wenn sie ihn falsch geschrieben haben. Also hat es, wenn mir jemand sagt: "Britta, Du hast Mülheim falsch geschrieben!" die gleiche Qualität, als wenn man das einem Mülheimer sagt?!

Eigentlich schon - würden die Kritiker es dabei belassen, so wie oben, den Sachverhalt anzumerken. Leider aber muss ich feststellen, dass viele Menschen es absolut nicht verstehen, Kritik sachlich an den Mann oder die Frau zu bringen. Statt also einfach den Fehler anzumerken und es auf sich beruhen zu lassen, kommt "wertende Kritik" statt der nötigen sachlichen. 

"Sag mal, Du als Mülheimer weisst aber schon, dass das ohne "h" nach dem ü geschrieben wird?!", ist da noch eine harmlose Variante. Und die Bemerkungen gehen wirklich bis zu "Ich dachte immer, Schriftsteller seien intelligent genug, die deutsche Rechtschreibung zu beherrschen!"

Auch mir ist dieser Schreibfehler gestern wieder begegnet. Bei der Durchgabe der Adresse an einen Freund, der mich nach der Premiere vor Ort abholen soll. Auch er - lange Jahre Ruhrgebietsrandbewohner - schrieb den Ortsnamen falsch und ich - in diesem Fall um späteren Navigationspannen vorzubeugen - machte ihn darauf aufmerksam, indem ich schrieb:"Mühlheim liegt bei Köln und da willst Du am Donnerstag sicher nicht hin!"

Ja, ich hatte Debatten. Darüber, dass - und warum - er Mülheim falsch geschrieben hatte. Darüber, dass er sehr wohl wisse, wie man das schreibt. Darüber, dass meine Art zu kritisieren ja vielleicht gut gemeint sei, aber wohl doch eine Unterstellung beinhalten würde, er könne sein Navigationssystem nicht richtig bedienen. Und ich könne wohl davon ausgehen, dass er den Ort bei der schlußendlichen Verwendung richtig schreiben würde. 

Und noch während ich einen Vortrag darüber bekam, was ich bei meiner Kritik alles falsch gemacht hatte, machte ich mir Gedanken darüber, wie so ein Schreibfehler "schlimmstenfalls" zustande kommt. Als er seinen Vortrag irgendwann mit "Ich denke, Du hast jetzt verstanden, was alles hätte passieren können!", schloß - hatte ich nichts von alledem, was er mir zu sagen hatte, wirklich aufgenommen, aber mir war ein neues Gesetz eingefallen, das wir unbedingt bei nächster Gelegenheit in den deutschen Bundestag einbringen müssen: 

"Schreibfehler haben ab sofort aufzuzeigen, ob es sich bei ihnen um Schreibfehler aus Unkenntnis der richtigen Schreibweise, um eine Verwechslung mit einer anderen Schreibweise oder um einen einfachen technischen Fehler bei der Bedienung der Tastatur - sogenannte "Vertipper" handelt, um den mit ihnen betrauten Menschen beim Auffinden die sachgemässe Kritik am Verfasser möglich zu machen!"

... Ich werds dann mal anregen. Es gibt schon so viele, unsinnige Gesetze - warum nicht auch das?

Passt auf Euch auf