Traumstundenfees Bücherkiste

Montag, 15. September 2014

15.09.2014 - Die kritischen Stimmen ...

... werden täglich lauter!

Martin Bühler brachte es auf den Punkt! In seinem Blogartikel vom 14.09.2014, "Der Tod des Buchhandels"  schreibt er:

"Tatsache ist, dass der klassische Buchhandel auf einem sterbenden Ast sitzt. Er hat den Anschluss an die moderne, meist virtuell bestimmte Zeit verpasst.
Ein aufstrebendes Unternehmen hat das erkannt, ausgewertet und den Mut gehabt, alles umzusetzen, was Verlage und Buchhandel verpasst haben.
Wir Autoren hatten nie zuvor so gute Möglichkeiten wie in der Gegenwart, Geld mit unseren Werken zu verdienen. Wir haben Einblick in Umsatzstatistiken, können die Wirkung unserer Marketing-Strategien an den Verkäufen sehen und wissen im Vorfeld, welche Einnahmen wir pro verkauftes Werk haben werden.
Und genau aus dieser Veränderung ist ein weiterer Markt entstanden: der Markt der Dienstleister." ( Zum Artikel)

Tagesaktuell durfte ich heute morgen lesen, dass es in Deutschland 21.000 Verlage gibt. Würde jeder dieser Verlage nur jeden Monat ein neues Buch produzieren, wären das monatlich 21.000 neue Bücher auf dem Markt. Die der Selfpublisher noch nicht eingerechnet! 

Wieviel Bücher lest ihr so pro Jahr? 100? 200? oder weniger? Mehr vermutlich selten - ja selbst wenn wir davon ausgehen, dass ein Schnelleser 365 Bücher pro Jahr lesen könnte ... wieviele wären das gegen 21.000 Bücher jeden Monat? Und es sind in Wahrheit ja noch mehr! Der Buchmarkt kollabiert! Einer unüberschaubaren Anzahl täglicher Neuerscheinungen steht eine finanziell schwache Wirtschaft mit ängstlichen Kunden entgegen. Es gibt nur wenig Sieger in dieser unüberschaubaren Situation - die Kleinverlage gehören mit Sicherheit nicht dazu! Schließungen und Umstrukturierungen sind unumgänglich. Auch die Selfpublisher profitieren von diesem Markt. Nur die wenigsten Verlage haben rechtzeitig begonnen, ihre Kostenstrukturen zu überprüfen und den veränderten Bedingungen anzupassen. Es gilt immernoch als verpönt, wenn ein Verlag die modernen, wirtschaftlichen Techniken wie bsp. Print on demand nutzt oder für die erbrachten Leistungen auch Geld nimmt! "Wer Geld nimmt, darf sich nicht Verlag nennen", ist eine der überall propagierten Falschaussagen dieser Zeit. "Verlag kommt von Vorlegen" ... es war einmal! Würden mit Tagesdatum von heute ALLE Verlage schließen, die entweder aufgrund ihrer "klassischen Arbeitsweise" verschuldet ODER bereits von dieser abgewichen sind, die Anzahl der am Markt befindlichen Verlage würde sich sofort mindestens halbieren! 

Ich kann nicht wirklich absehen, wie lange es noch "gut geht"  - weil gut ist es schon  lange nicht mehr! Machen wir uns nichts vor! Wenn sich die Wirtschaftslage, das Veröffentlichungsverhalten der Autoren oder das Kaufverhalten der Kunden nicht schnellstens rapide ändert, kann jeder Autor froh sein, wenn er von seinem veröffentlichten Werk mehr verkauft, als die Exemplare für seinen Familien- und Bekanntenkreis! Weil durch die schlechte Wirtschaftslage noch ein weiteres Phänomen entsteht: Die Menschen, die früher dafür sorgten, dass der Buchmarkt lebte, sind inwischen meist selbst am Rande des Existenzminimums angekommen und haben andere Sorgen, als Bücher zu kaufen oder zu lesen ... ein Teufelskreis! 

Viele Verleger haben schon begonnen, nach anderen Einnahmequellen für das Geld zu suchen, das sie brauchen um nicht zu verhungern. Einige sind in die Tretmühlen abhängiger Beschäftigungen zurückgekehrt. Wieder andere - so auch ich - müssen sich derzeit komplett umstrukturieren und neu am Markt aufstellen, wenn sie weiterhin eine Chance haben wollen. Es ist still um mich geworden, scheinbar. Die Vorbereitungen für den neuen Auftritt am Markt kosten viel Zeit. Zeit, die ebenfalls nicht bezahlt wird, so wie die ganzen Jahre davor ...

" I have a dream ..." sagte nicht nur Martin Luther King in seiner berühmten Rede. "I have a dream!" sagte auch ich, als ich 2010 diesen Verlag gründete - der meinen Traum und die unzähligen Stunden, die ich ihn träumte, bevor ich ihn realisieren konnte, im Namen trägt. Für diesen Traum lebe und kämpfe ich inzwischen seit fast 4 1/2 Jahren und ich weigere mich, aufzugeben, bevor ich nicht alle gangbaren Wege ausgeschöpft habe. Und auch, wenn der Wettbewerb derzeit knochenhart ist - ich werde alles geben! Möge der Bessere gewinnen! 

Passt auf Euch auf


Sonntag, 31. August 2014

31.08.2014 - Dienstleistung versus Druckkostenzuschuß

Zwei in einem Sack - und die Knüppel prügeln auf sie ein!

Dabei sind es zwei völlig unterschiedliche Verlagsarten! Von denen eine der beiden sich  - rein moralisch gesehen - gar nicht Verlag schimpfen dürfte, da sie einige für einen Verlag charakterischen Dienstleistungen gar nicht erbringt.

Noch als ich 2010 meinen Verlag gründete, war ich der festen Überzeugung, "Verlag" dürfe sich nur nennen, wer imstande und in der Lage sei, für den Autor völlig kostenlos zu produzieren. Ich übernahm diese Überzeugung, die mir "vorgebetet" worden war kritiklos und da ich diesem Kriterium entspreche, hielt ich die "Verlage gegen DKZ Fahne" auch immer schön hoch.

Vier Jahre sind inzwischen ins Land gegangen. Vier Jahre in denen ich  mit unzähligen Diskussionen rund um DKZ und Druckkostenzuschußverlage konfrontiert wurde. Vier Jahre, in denen ich mir kaum einmal Gedanken darüber machte, warum es Verlage und Verleger gibt, die Geld für ihre Dienstleistungen nehmen - und noch weniger darum, warum diese Verlage am Markt immer mehr werden.

In der letzten Zeit bin ich gezwungen, mich mit einer furchtbaren Entwicklung am  Markt auseinanderzusetzen. Theatralisch gesehen müsste ich sagen: Es hat ein Werteverfall stattgefunden. Der überdies auch noch mathematisch erklärbar ist. Schlimm genug - nur warum ist niemand in der Lage, ihn aufzuhalten?

Die Öffnung des Buchmarktes für Selfpublisher begann mit BOD. Wenige Jahre später zog Lulu.com nach und wurde schlußendlich von Amazon vervollständigt. Bezeichnend daran: BOD und Lulu.com fertigten in ihren Anfängen nur Printbücher. Als Amazon dazustieß, legten diese ihren Focus genau NICHT auf die Druckerzeugnisse - ja ich sage sogar, Amazon machte eBooks salonfähig. Denn bevor die "Kindle-Plattform" am Markt erschien, gab es nur zwei oder drei Anbieter für eBooks auf dem deutschen Markt - alle drei arbeiten nach dem klassischen Verlagsmuster und treffen eine Auswahl der Titel, die sie in ihr Programm aufnehmen. Amazon hingegen verzichtete genau auf diesen Qualitätsstandart. Schon kurz nach der Öfnung der Plattform wurde sie überschwemmt von "Autoren", die eine neue Geschäftsidee für sich entwickelt hatten. Mittels einer Texterstellungssoftware schrieben sie "Bücher", die für kleines Geld angeboten wurden, meist handelte es sich dabei um Ratgeber, die am Ende nur einen Rat gaben: Finger weg davon.

Doch vom "schnellen Geld" mittels eBook Verkauf wurden nicht nur Betrüger angezogen. Gefrustete Autoren, oft mehrfach von Verlagen abgelehnt, bekamen eine Möglichkeit, ihre fertigen Werke zumindestens so an den Markt zu bringen, dass sie ein verkäufliches Format erzielten. Über die Qualität möchte ich nicht reden, aber ich gebe zu bedenken, dass viele dieser Bücher nie ein Korrektorat geschweige denn ein Lektorat gesehen hatten.

Der Gesamtbestand der Deutschen Nationalbibliothek belief sich Anfang 2014 auf rund 28,7 Millionen Einheiten. Sprich es existieren 28,7 Millionen Druckbücher am deutschen Markt. Wieviele Bücher lest IHR denn so in einem Jahr? Mich darf ich nicht als Maßstab nehmen - seit ich den Verlag habe lese ich zwar mehr als früher aber ich kaufe weit weniger!

Summa summarum gibt es inzwischen also mehrere Sorten Buchproduzenten am Markt. Von denen - meiner Meinung nach - nur eine es verdient hat, verteufelt zu werden! Und DAS sind die Druckkostenzuschußverlage, die anders als die seriösen Dienstleister, Unsummen Geldes alleine dafür nehmen, Bücher zu produzieren, die kaum je jemand lesen oder kaufen wird. Weil der Produzent - denn Verlag möchte ich diese Abzocker nicht nennen - gar kein Interesse daran hat, die produzierten Bücher jemals zu verkaufen! Denn sie sind ja bei Herstellung schon in vollem Umfang bezahlt! No kidding! 

Im Gegensatz zu Dienstleistungsverlagen, die in der Lage und bereit sind, ihre Leistungen und die Preise dafür einzeln und minutiös aufzuschlüsseln, verlangen Druckkostenzuschußverlage horrende Summen für eine Buchproduktion. Manchmal bieten sie dafür auch Sonderleistungen an, die "kein anderer Verlag zu diesem Kurs realisieren kann". Oder schreiben Teilnahmen an Anthologien aus, nach denen man die Bücher, in denen das eigene Werk steht, zu überteuerten Kursen kaufen kann. (Auch ich war bereits geneigt, für ein solches Jahrbuch Hunderte Euros hinzulegen, so stolz war ich auf meine Veröffentlichung darin, bis ich begriff, welche Masche dahinter steckte!) 

Druckkostenzuschußverlage und Selfpublisher werden aber die einzigen beiden sein, die in 2-5 Jahren am Markt noch existent sind ... WENN sich nicht bald etwas tut! Qualität ist kein Kriterium mehr, wenn der Kampf über den Preis geführt wird. Und die Autoren sich in vier Kategorien teilen, von denen nur noch zwei bei klassischen Verlagen veröffentlichen. Und ich betone: Ich verurteile inzwischen KEINEN Kollegen mehr, der für seine teils immensen Dienstleistungen Geld nimmt, sofern dafür die entsprechende Dienstleistung auch erbracht wird. Wenn der Buchmarkt sich weiterhin so wie jetzt entwickelt, werden Verleger zu Glücksrittern ... sie haben eine Chance auf den "goldenen Wurf" der an die Wahrscheinlichkeit eines Lottogewinns heranreicht! Und wenn wir uns dieses Szenario vor Augen führen, dann möge man mir verzeihen, wenn ich sage: Ich kann die Dienstleister in vollem Umfang verstehen! 

Passt auf Euch auf!