Traumstundenfees Bücherkiste

Donnerstag, 9. Oktober 2014

09.10.2014 - Was bringt wieviel - Marketinginstrumente im Test - Teil 1

Buchtrailer

Was bringt ein Buchtrailer werbeseitig? 
Viele Autoren schwören auf sie: Kleine Youtube-Videos, die mittels Bildern, Text und Musik das jeweilige Buch bei Youtube in einem Video vorstellen. Mehr oder weniger aufwändig gefertigt, manche sehr oberflächlich, andere wiederum sehr liebevoll, wieder andere gleichen den Trailern von Spielfilmen oder Spielankündigungen und glänzen mit hochqualitativer, filmischer Umsetzung. Auch wir vom Traumstunden Verlag Essen wurden seit 2012 regelrecht genötigt, uns dem Hype um das neue Werbemedium anzuschließen. Und beugten uns dem Druck. 

2012 waren diese Videos in der Anfertigung noch recht teuer. 250,- bis 400 Euro für ein einziges Trailervideo waren keine Seltenheit. Hohe Kosten für einen Verlag, der gerade dabei ist, sich aus einer Krise zu manövrieren. Doch von nichts kommt bekanntlich nichts und niemand kann Gewinne erzielen, ohne zu investieren. So dachte ich - so dachten, scheinbar - auch meine Autoren. 

Heute, Ende 2014, habe ich begonnen, mich daran zu gewöhnen, dass solche Zusatzleistungen eines Verlages von den Autoren als nichts angesehen werden, für das man sich besonders bedanken muss. Ich ärgere mich nicht mehr über Kleinverlagsautoren in der Social Media, die nichts Besseres zu tun haben, als sich darüber zu beklagen, dass der Kleinverlag, für den sie sich entschieden haben, keine oder jedenfalls nicht genug Werbung für sie und ihre Bücher macht. Ich kann mich immer nur wieder bei meinen eigenen Autoren bedanken, die auch in wirklich schwierigen Zeiten ihren häufigen Frust einzig und allein bei mir ablassen und NICHT damit rufschädigend durch Portale wie Facebook touren. Hoffe ich jedenfalls ... mir ist bisher noch nichts Anderes zu Ohren gekommen und ich bete jeden Tag, dass das so bleibt! 

Aber einen anderen Sachverhalt wüsste ich gerne verändert: Nämlich den Umgang mit solchen, für mich mit Kosten verbundenen, dennoch aber gerne zur Verfügung gestellten Werbematerialien. Denn auch ich habe durchaus Autoren, die sich nach wie vor und immer mal wieder über mangelnde Verkäufe beklagen, die feststellen, dass die Verkaufszahlen nicht stimmen, dass gerade der Buchhandel eine rückläufige Tendenz in der Rangfolge der Verkäufe zeigt und die schlußendlich teilweise sogar zu dem Entschluß kommen, dass sie "eigentlich auch alles selbst machen können, wenn sie doch eh nur über Amazon verkaufen". Und ganz ehrlich: Ich gebe diesen Autoren sogar Recht! 

Denn was bitte habe ich als Verlag davon, einen Autor in meiner Riege zu wissen, der mit den, von mir zur Verfügung gestellten Marketinginstrumenten so gar nichts anzufangen weiss und der im Gespräch mit vielen, selbstverlegenden Kollegen einzig und allein zu dem Schluß kommt, dass er es alleine besser könnte? Liebe Autoren - nicht nur IHR habt eine immense Geldspanne, die ihr verliert, wenn ihr über Amazon verkauft, auch ich mache dabei nicht selten Minus! Oder gehe mit Null nach Hause! Nur habe ICH in den meisten Fällen vorher Stunden und Tage an Eurem Buch gesessen, teilweise haben noch andere Menschen (bezahlt von mir) daran gearbeitet, ich habe versucht alle Eure Wünsche zu berücksichtigen und es sind meistens wirklich schöne Bücher dabei entstanden. Wenn DIE sich dann nicht verkaufen, ist das nicht nur Euer Frust, es ist auch mein Frust - und vor allem ist es mein Geld! Im doppelten Sinne, denn würde ich meine Zeit, die Zeit, die mich jedes einzelne Buch in der Vergangenheit in der Fertigung gekostet hat, in die Preiskalkulation mit einfliessen lassen, die Preise für das einzelne Buch wären mindestens doppelt so hoch, wie sie sind. Aber ich möchte nicht klagen, sondern Euch etwas erklären! 

Buchtrailer auf Youtube sind immernoch eine gute Werbemöglichkeit. Auch wenn ich unsere Buchtrailer inzwischen mit Werbeeinblendungen versehen musste, um wenigstens einen Teil der durch sie verursachten Kosten wieder einzuspielen. Und die letztens noch von wo auch immer gestellte Frage:"Ach Du musst die Buchtrailer bei Christian BEZAHLEN?!", die habe ich auch noch nicht vergessen! Seit Anfang letzten Monats sind noch ein paar Posten mehr in meinem Portfolio für mich nicht mehr kostenfrei zu bekommen, denn die bisher "mal eben" komponierten Trailermusiken von Michael Wisniewski oder die Coverarbeiten sind inzwischen auch für mich nicht mehr kostenfrei. Sprich ich muss mir noch mehr als eh schon überlegen, welches Buch, welchen Autor ich unterstütze und in Zukunft an den Markt schicke. Und vor allem: Auf welchem Weg! 

Nach wie vor bin ich gerne bereit, jedem Autor so ich es denn kann, bei der Werbung DIE Mittel zur Verfügung zu stellen, die er am besten für sich umsetzen kann! Aber wie kommt es dann, dass es Autoren gibt, deren Verkaufszahlen von Buch zu Buch steigen und deren Reichweite unabhängig von meiner Verlagsreichweite ihren Weg macht? Schon vor drei Jahren schrieb ich einen Blogartikel mit dem Titel "Verlage finden beim Kunden nicht statt"  - und an diesem Sachverhalt hat sich bis heute nichts verändert! Im Gegenteil! Wir befinden uns in einer Zeit, in der der Kunde langsam aber sicher daran gewöhnt ist, gerade die Social Media als den Tummelplatz der kundennahen Autoren zu erleben. Der Autoren, die mit ihren Lesern auf Augenhöhe sind und den Austausch mit ihnen suchen. Verlage werden von den Lesern immer weniger wahrgenommen. Was ja auch nicht schlecht ist! Denn wir Kleinverlage können durchaus weiterhin ein Auskommen mit unserem Einkommen haben, wenn der einzige Abverkaufsweg der über unsere Autoren ist! Bei richtiger, beiden Seiten gerecht werdender Preiskalkulation können damit beide Seiten glücklich werden. Wir müssen halt nur anders arbeiten, anders kalkulieren, anders finanzieren! Alles gar kein Problem ... aber "klassisch" ist DANN Geschichte. 

Und genauso ist es mit den Buchtrailern! Fertigen, hochladen, stehen lassen, fertig ... ist nicht mehr! Allein ein Blick in die Klickzahlen unserer Buchtrailer zeigt - so manchen davon könnte ich heute ungesehen in die Tonne treten, es würde ihn niemand vermissen! Nicht mal der Autor, dessen Buch dazugehört - und DAS, meine Lieben, DAS finde ich schon extrem schade! Nicht nur, weil ich jeden dieser Buchtrailer bezahlt habe und für das Geld, wenn ich es zusammenrechne (Es sind inzwischen ich glaube 57 Videos) locker drei Wochen in Urlaub fahren könnte. Ja und mein Trailerbauer, Christian Bass, der ist nun mal noch mehr "Künstler" als ich das bin - und daher habe ich ab 2015 jetzt ein Problem: er wird nicht mehr für mich arbeiten! Nicht, weil ich seine Rechnungen nicht bezahlt habe, sondern weil er sagt, er sieht es nicht ein, seine Arbeit umsonst zu machen - umsonst im Sinne von "für die Katz und niemanden interessiert es!"

Und jetzt, meine Lieben, jetzt seid ihr gefragt: 
WAS muss sich an Euren Buchtrailern ändern, damit sie auch in EURE Werbung mit einfliessen? Denn DA würden sie EIGENTLICH hingehören! 

Passt auf Euch auf! 

Dienstag, 7. Oktober 2014

07.10.2014 - Zwischen Versuch und Ergebnis ...

... Marketinginstrumente im Test

Sie machen es uns vor! Selfpublisher wie Martin Bühler - oder seine große Vorreiterin Nika Lubitsch. Menschen, denen es nicht genug ist, ein Buch geschrieben zu haben, sondern die offen zugeben, damit auch Geld verdienen zu wollen. Geld - nicht Trinkgelder.

Mancher "moderne SP" steckt schon vor der Veröffentlichung eine Menge mehr in sein Buch, als es ein Verlagsautor je erwarten würde. Allem voran Zeit, denn Geld wollen  - und können - die wenigsten investieren. So entstehen jeden Tag hunderte, ja tausende neuer Bücher, in unterschiedlicher Zeit geschrieben, mit mehr oder weniger viel Sorgfalt aufbereitet und in den unterschiedlichsten Erscheinungsformen fertiggestellt, am Markt. Und sie alle suchen nach Kunden. 

Die "klassischen Werbewege" sind tot!
Schon seit einigen Jahren ist nicht mehr davon auszugehen, dass ein Buch, das im Feulleton der Tageszeitungen besprochen wird, noch den Leser - oder die Leser erreicht, die es erreichen will. Der Großteil möglicher Kunden - und damit auch Leser - sitzt längst woanders. Oftmals in Hochgeschwindigkeitszügen auf dem Weg von einem Ende Deutschlands zum anderen - doch wer hat schon das Geld, sich eine Plakatwand an den Bahnhöfen zu mieten ... es sei denn, er heisst Bertelsmann. 

Der Buchmarkt hat sich verändert!
"Wir" Verlage haben eine Zeitlang mit einem Kollaps - einem Zusammenbruch - gerechnet. Doch ich glaube inzwischen nicht mehr, dass der Buchmarkt wirklich zusammenbricht. Was bricht, sind falsche Vorstellungen davon, wie er "zu sein hat". Und diese falschen Vorstellungen sitzen  - so leid es mir tut - meist auf Verlagsseite! Wohl dem Verlag, der noch das Geld hat, in den nächsten Jahren auf den Buchmessen dieser Welt präsent zu sein! Oder auch: Der es einsieht, dort noch präsent sein zu wollen! Die elitären Kreise der Reichen unter den Verlagen - oder auch denen, die gerne dazugehören wollen, bleiben wieder mehr unter sich. Diejenigen, die es bisher nicht geschafft haben, ihren Weg in diese erlauchten Runden zu finden, verlegen sich eher darauf, andere Wege zu finden, ihre Ware anzupreisen - und kupfern häufig bei erfolgreichen Selfpublishern. Sie nutzen die Marketinginstrumente, die ihnen angeboten werden, gehen die Wege, die ihnen Vermarktungsplattformen wie Amazon anbieten.

Man kann über Amazon denken und sagen, was man will. Aber eines kann niemand behaupten: Dass dieser Online-Riese sich keine Gedanken darüber machen würde, wie er seine Kunden - und damit auch die Kunden seiner Verkäufer erreicht! Unzählige, neue Werbewege hat Amazon in den letzten 5 Jahren geschaffen und  - verlagsseitig darf gerne darüber gestritten werden - immer wieder dafür gesorgt, dass die Verkaufsplattform für die Verkäufer und die Kunden gleichermassen attraktiv blieb und bleibt. 

Was immer zieht, ist "kostenlos"!
Egal, ob eingesparte Versandkosten, kostenfreie Rücknahme von Artikeln, Kulanz bei der Bestellabwicklung - oder aber auch die kostenfreie Herstellung von Waren - preiswert oder gar billig ist in der heutigen Zeit ein stichhaltiges Argument. Wenn ich mir über entstehende Kosten keine Sorgen machen muss, nicht mit Geld in Vorleistung zu treten brauche oder ganz ohne Vorkosten Waren an einem breiten Markt platzieren kann, stehe ich mich auf jeden Fall besser, als wenn ich Vorleistungen erbracht habe, die ich in Geldeswert habe bezahlen müssen und die sich erst amortisieren müssen, bevor ich die Gewinnzone erreiche. Logisch - und gerade deswegen genau DER Punkt, an dem der Buchmarkt, wenn kein schnelles Umdenken stattfindet, ganz in die Hände der selbstverlegenden Autoren fallen wird. Zumindest der breite Buchmarkt - denn der klassische Buchhandelskunde stirbt aus! 

Wer wen tötet, ist nicht ganz klar! 
Sind es die Verlagsautoren, die Zeter und Mordio gegen Verlage schreien, die es sich erdreisten, Teile ihrer Kosten auf die Autorenschaft umzulegen? Oder sind es die Verlage, die zu stolz sind, sich der Veränderung zu stellen und die neuen Technologien zu nutzen. Was war zuerst da? Die Henne oder das Ei? Die Zeiten, in denen ein Verlag als Erfolgsgarant des Autors auftrat, sind weitestgehend vorbei! Wer es sich leisten kann, spielt auf Menge - und die anderen, die kleinen Verlage machen im Grunde nichts anderes als jeder Selfpublisher auch: Sie nutzen den Markt so, wie sie es als Einzelkämpfer eben können, nach bestem Wissen und Gewissen. Verlag zu sein, ist keine Auszeichnung mehr, eher eine Belastung, wenn man sich den Anforderungen gewisser Autorengruppen unterstellt, statt seinen eigenen Weg zu suchen und zu finden. 

Wie sich der Buchmarkt entwickelt, ist nach wie vor nicht klar abzusehen. Doch ich denke, die Zeiten, in denen es eine Marktlücke war, einen Verlag zu gründen und die Hoffnung zu hegen, "gegen die Großen anzukommen" sind vorbei. Individuelle Konzepte, neue Wege, anderes Arbeiten sind gefragter als klassische Strukturen und veraltete Modelle. Und ich glaube, es ist für die Verlage an der Zeit, das nicht nur zu begreifen, sondern auch ganz klar zu kommunizieren. Wir können nach wie vor noch Hilfe am Markt sein für Autoren, die dieser Hilfe bedürfen - aber die Zeiten, zu denen wir dazu in der Lage waren, das ganze Geschäft "stellvertretend" für diese Autoren alleine zu bewältigen, ich glaube DIE sind eindeutig vorbei! 

Passt auf Euch auf!