Traumstundenfees Bücherkiste

Mittwoch, 27. Januar 2016

2/2016 - Es war einmal ...

... so fangen Märchen an! 

Und auch mein Märchen beginnt heute mit dem klassischen "Es war einmal ..." 



Es war einmal ein Teichbesitzer. Der überlegte lange, was er mit seinem zu groß geratenen Tümpel so anfangen sollte. Eines Tages traf er einen Angler. Und der erzählte ihm, dass es im Fluß immer weniger Fische gäbe. Das Angeln würde gar keinen Spass mehr machen, so sagte der Angler. Er müsse immer länger und länger am Fluß sitzen und er könnte nie sicher sein, auch wirklich einen Fisch zu fangen. 

"Ja aber, woran liegt das denn?", fragte der Teichbesitzer. Und der Angler zuckte die Schultern. 
"Es liegt wohl an der Freiheit der Fische! Sie können hingehen, wo sie wollen. Warum also sollten sie dahin gehen, wo sie gefangen werden können?!"

Der Teichbesitzer dachte über diesen Satz lange nach. Wenn es noch mehr Angler wie diesen gäbe, so könnte es Sinn machen, den Verwendungszweck seines Teiches ein wenig zu ändern! Statt darauf zu warten, dass Touristen ihn entdeckten, könnte er ihn doch bekannt machen! Aber dazu brauchte er zuerst einmal Fische! 

Also traf er sich mit Fischzüchtern aus dem ganzen Land. Und sie alle berichteten das Gleiche! Die Angler waren böse auf sie, weil alle Fische, die sie im Fluß aussetzten, alles daran setzten, sich nicht fangen zu lassen. Die wenigen, die einem Angler wirklich an den Haken gingen, fraßen nur die teuersten Köder! Nichts für Jedermann, im Gegenteil! Angeln war zum Elitesport geworden. 

Der Teichbesitzer machte den Fischzüchtern ein Angebot. Sie sollten in Zukunft ihre Fische nur noch in seinen Teich bringen und im Gegenzug würde er dafür sorgen, dass auch die Angler da wären. Gesagt getan und eine Zeit lang waren auch alle zufrieden. 

Dann aber bemerkten die Fischzüchter, dass die Fische einiger Fischzüchter häufiger geangelt wurden als ihre eigenen. Da sich das auch auf das Geld auswirkte, dass der Teichbesitzer ihznen zahlte, waren sie davon natürlich nicht begeistert. Und überlegten nun ihrerseits, wie sie den Teichbesitzer UND die Angler austricksen konnten und mehr verdienen würden. 

Die Fischzüchter, die sich benachteiligt fühlten, begannen mehr und mehr Fische im Teich auszusetzen. Immer in der Hoffnung, wenn mehr von ihren Fischen im Teich wäre, würden logischerweise auch mehr von ihren Fischen geangelt. Doch sie achteten nicht mehr auf die Qualität ihrer Fische! Die Tiere waren krank, schwach, teilweise zu jung oder völlig degeneriert. Und wurden häufig von den Anglern wieder in den Teich zurück geworfen, wenn sie sie schon einmal an der Angel hatten. Und da die Angler immer nur das zahlen mussten, was sie mit nach Hause nahmen, brachte das die Fischzüchter auch nicht wirklich weiter. 

Somit schlugen sie dem Teichbesitzer vor, er möge seinen Anglern doch eine Pauschale auferlegen! Für alle Fische, die sie an der Angel hatten würden sie eine vorher festgelegte Summe X zahlen - egal, wie viele es wären. Und für die, die sie wirklich mit nach Hause nehmen wollten würde dann noch mal die Summe Y fällig. Der Teichbesitzer und die Angler ließen sich beide darauf ein, aus unterschiedlichen Motiven, doch das war den Fischzüchtern zuerst einmal egal, denn unabhängig von den geschlossenen Vereinbarungen blieben sie dabei, mehr und mehr Fische in den inzwischen schon viel zu kleinen Teich einzuspeisen. 

Der Kollaps war unvermeidbar! Viel zu viele Fische auf viel zu kleinem Raum mussten am Ende eine Katastrophe bedeuten! Die auch kam! Eines Tages schwammen tote Fische auf der Oberfläche des gesamten Sees. 
Dass ihre "Flatrate" schlußendlich dazu geführt hatte, dass kranke Tiere wieder zurück ins Wasser gesetzt wurden und ihre Artgenossen anstecken konnten, dass viel zu viele Fische weder genug Wasser, noch genug Nahrung und schon gar nicht genug Sauerstoff hatten, dass sahen die Fischbesitzer nicht ein! Im Gegenteil! Sie schimpften noch auf die Angler, die jetzt nicht mehr jeden Samstag kamen und ihre Angeln auswarfen sondern lieber in das Nachbardorf fuhren und dort beim Fischhändler ihr Sonntagsessen kauften. Und machten sich auf, einen neuen Teich zu finden, in den sie ihre Fische werfen konnten! 

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann suchen sie noch heute! 

Und wer wissen will, was dieses Märchen mit dem momentanen Buchmarkt zu tun hat, der muss lediglich ein paar Worte ersetzen! Wer nicht drauf kommt, darf mich gerne fragen, ich sage sie Euch! 

Passt auf Euch auf! 
Britta Wisniewski
Traumstunden Verlag Essen 

Montag, 25. Januar 2016

1/2016 - Schafft der Buchmarkt ...

... sich gerade selber ab?

Bildquelle: Pixabay.com


Diesen Eindruck bekommt man leicht, wenn man in den letzten Tagen die Meldungen sammelt, in denen es ungewöhnliche Geschehnisse in der schreibenden Zunft gibt. Innerhalb weniger Tage hatten wir: 

- eine Plagiatsaffäre
- Amazons Ankündigung, schlechte eBooks in Zukunft mit Warnhinweisen versehen zu wollen
- eine Abmahnung an einen Verlag, der zusammen mit Amazon mit einer Gratisaktion gegen die Buchpreisbindung verstoßen hat

Hinzu kamen die üblichen Dinge:
- gekaufte oder gefakte Rezensionen, egal ob gut oder schlecht
- der Verdacht von Gefälligkeitsrezensionen und Amazons Reaktion darauf
- der Plagiatskrieg unter Buchbloggern

Hab ich etwas vergessen? Außer dem Umstand, dass kostenlos Plattformen aus dem Boden schießen, die sogar so dreist sind, zu behaupten, dass sie mit den Autoren und Verlagen die Werbeeinnahmen teilen, die sie bekommen, damit die Bücher kostenlos downgeloadet werden können? Ich durfte heute einer solchen dann mal eine Mail schreiben, mit der Bitte, mir doch mitzuteilen, welchem meiner Distributoren ich einen solchen Vertrag für einige unserer Bücher zu verdanken hätte, ich selbst habe ihn nämlich nicht erteilt. Und da nicht alle Bücher betroffen sind, kann ich die Antwort gelassen abwarten - es wird keine geben! 

Die Umsätze im Januar waren schlecht wie nie. Und dabei war es völlig egal, ob es um eBooks ging oder um Prints. Einige, wenige Autoren dürften andere Erfahrungen gemacht haben, aber der Großteil klagt über mangelnden Absatz. Was mich nicht wundert, wenn ich mitbekomme, dass in nur zwei der Lesergruppen, in denen ich mich befinde, überwiegend Bücher in Gebrauchtbücherbörsen gekauft werden. Natürlich zu einem Bruchteil des Preises des neuen Buches, aber natürlich zum gleichen Zustand, versteht sich. 

Ziehen wir die Summe, ist es unter dem Strich für den Buchmarkt nicht nur schwer geworden sondern wird täglich mehr Richtung unmöglich gedrückt. Jedenfalls für viele. Der gefeierte, freie Buchmarkt verkommt zu einem Morast aus zu vielen Büchern für zu wenige Leser die nicht bereit sind, ihre hochgefeierten Autoren auch nur ansatzweise anständig für ihre Arbeit zu entlohnen. Der moderne Leser umgeht sowohl den geforderten Preis als auch die bestehenden Gesetze wo er kann und der moderne Autor versucht, sich seinen letzten Teil vom Kuchen noch zu holen. Aber wie lange noch? 

Ja, ich bin Unke! Und in diesem Fall bin ich gerne Unke! Ich darf es auch sein, denn für mich verändert sich nichts! Nach sechs Jahren an diesem Markt werde ich in diesem Jahr wieder eine angestellte Tätigkeit aufnehmen, um weiterhin in der Lage zu sein, Geld in eine Firma zu pumpen, die es nicht wieder rausholt. Ziehe ich einen Strich unter die letzten sechs Jahre, so muss ich sagen: Es hätte anders gehen können! Aber egal! Nur die Illusion, dass sich ausgerechnet in diesem Jahr der Buchmarkt erholt, die habe ich nach all der Zeit nicht mehr - im Gegenteil. 

Es ist ein Hauen und Stechen! Und gefühlt wird es täglich schlimmer. Und wir Buchschaffenden - egal, ob es jetzt Autoren sind, Lektoren, Illustratoren oder Verleger, werden mit einem täglich wachsenden Druck konfrontiert! Wohl dem, der Träumer genug ist, seinen Traum noch eine Runde vor der Realität zu bewahren. Denn einholen wird sie uns alle - und viele schneller, als ihnen lieb ist! 

Aber da ich vor genau DIESEM Punkt schon seit mindestens drei Jahren warne, kann ich mich entspannt zurücklehnen und auf alles Geschrei immer nur das Gleiche antworten: 

Sagt nicht, ich hätte Euch nicht gewarnt! 

Passt auf Euch auf! 
Britta Wisniewski
Traumstunden Verlag Essen