Traumstundenfees Bücherkiste

Sonntag, 24. Mai 2015

2015/51 - Zum letzten Geleit ...

Autor Michael Otto Stoll verstarb im Alter von 56 Jahren



Er war kein einfacher Mensch. Aber ein Mensch mit Prinzipien!

Als wir uns kennen lernten, er und ich, geschah dies im Rahmen eines Verlagsaufrufes für eine geplante Weihnachtsanthologie. Und ausgerechnet dieses Buch fiel mitten in das Trennungschaos der damaligen GbR. Wie alle Autoren dieser Anthologie hatte auch er schwer darunter zu leiden. Doch er machte mir niemals einen Vorwurf daraus! Im Gegenteil! Als hätte er das Gefühl, sich bei mir entschuldigen zu müssen, bot er mir sein Buch "Der kleine Trucker" an - mit der Bitte, einen Teil der Einnahmen seinem Verein "Im Namen der Kinder" zu spenden. Eine Bitte, die ich ihm gerne gewährte. 

Michael Otto Stoll war kein Mensch, der schwieg, wenn er das Gefühl hatte, es gäbe etwas zu sagen! Und damit machte er sich nicht immer nur Freunde, worunter er zum Teil sehr zu leiden hatte, denn mehr als einmal blieb ihm der Wunsch nach Ruhe und Frieden in seinem Leben verwehrt. 

"Der kleine Trucker" ist ein Buch, in dem sich Teile seines eigenen Lebens mit einer Fiktion verbinden, die sicher ebenfalls einen guten Teil Wunschdenken beinhaltete. Die anrührende Geschichte um einen Trucker und seinen Irrweg zurück zu der Frau, die er sein Leben lang liebt, ist weniger ein seichter Roman, denn ein Einblick in die Seele des Autors. Der sich nichts so sehr wünschte, als anzukommen, Frieden zu finden und eine Familie zu haben, für die er sorgen konnte. 

Direkt dahinter kam sein Wunsch, seinem Buch "Der kleine Trucker" die gewünschte Bekanntheit zu verschaffen. Viele seiner LKW-Fahrerkollegen dürften inzwischen die Geschichte kennen, weiß ich doch, dass er nie ohne einige Exemplare seines Buches im Gepäck auf seine Touren ging. 

Und es gab eine Stelle in seinem Buch, die ich wunderschön fand - so schön, dass ich sie Euch heute mitbringen möchte, um damit einen Autor zu ehren, dem ich leider niemals sagen konnte, dass ich ihn dafür bewundert habe, dass er sich nie um des Erfolges willen verbogen hat:

   „Oma, Oma, schau was ich mit Opa gebastelt habe!“
Daniel sprang zu seiner Oma hin und diese konnte ihn gerade noch auffangen, als er ins Stolpern kam.
Dabei fiel sein kleines Pferdchen zu Boden und zerbarst. Susan schaute Ferdinand an, während sie Daniel auf den Armen hielt. Traurig darüber, dass sein Pferdchen kaputt war, fing er zu weinen an. Susan versuchte ihren Enkel zu trösten.
   „Opa wird morgen mit dir ein neues Pferdchen basteln“, versuchte Susan ihren Enkel dabei zu beruhigen. Wieder trafen sich ihre Blicke, es war ein Kampf ohne Worte im Wechselbad der Gefühle zueinander.
   „Was hältst du davon, Daniel, wenn wir morgen ein richtiges Pferd mit einem Schlitten holen würden?“
Daniels Augen wurden größer, als sein Opa das sagte.
   „Wirklich? Au ja, das wäre etwas, das muss ich sofort Mama erzählen.“

Jetzt war Daniel nicht mehr zu halten.
   „Oma. Lass mich runter!“, drängte Daniel. Susan ließ ihn herab und schwupp, war Daniel schon verschwunden, um seiner Mutter zu erzählen, was sein Opa morgen mit ihm vorhatte. 
Endlich war der Tisch gedeckt und man nahm Platz. Wie immer saß Ferdinand an seinem Platz an der Stirnseite des Tisches, welche zum Fenster zeigte. Daniel und David nahmen links und rechts von Ferdinand Platz, während Florence sich an die Seite Davids setzte und Susan sich neben Daniel ihren Platz erwählte. Brigitte schien das Ganze etwas aus der Ferne beobachten zu wollen und setzte sich Ferdinand gegenüber an die andere Stirnseite des Tisches. Man spürte die Anspannung, die am Tisch herrschte und nur Daniels Übereifer ließ die Situation entspannter wirken.
Sein Tatendrang und sein Wissensdurst waren kaum zu bremsen. Ferdinand beantwortete geduldig all seine Fragen, bis Florence diesem Einhalt gebot.
   „So junger Mann, jetzt wird es Zeit ins Bett zu gehen.“
   „Oh Mama, bitte, nur noch ein bisschen!“
Bei Oma und Opa Hilfe suchend, wollte Daniel gern noch ein Weilchen bleiben, doch das Wort seiner Eltern galt, auch wenn die Großeltern zugegen waren.

   „Du musst auch noch baden, schau dich mal an, kleiner Dreckspatz. Sag Oma und Opa gute Nacht und dann geht es ab ins Bad“, verlieh Florence dem Ganzen Nachdruck. Daniel hörte schweren Herzens und wollte mit seiner Mutter ins Bad gehen.
   „Haben wir nicht jemanden vergessen?“, stellte David fest. Daniel wünschte Brigitte ebenso eine gute Nacht und sprang aus dem Zimmer.
   „Komm, Linus, Du schläfst heute Nacht bei mir!“
Schon sprang Linus Daniel hinterher. Florence verdrehte nur die Augen, als Daniel mit Linus zusammen ins Bad gehen wollte.
   „Florence?“, rief Ferdinand sie zurück.
   „Ja!“

   „Ich würde Linus nicht mit ins Bad nehmen“, wollte Ferdinand darauf hinweisen.
Florence winkte ab.
   „Werde schon fertig werden mit den beiden“, und schon eilte sie den beiden hinterher. David und Ferdinand schauten sich nur an und ein schmales Grinsen spiegelte sich ihren Gesichtern.

   „Weshalb lacht ihr beiden?“, wollte Susan wissen, die den beiden gegenüber saß und ihr verschmitztes Grinsen deutlich wahrnehmen konnte. 
Brigitte fing an zu zählen, jetzt verstand Susan gar nichts mehr.
    „Eins - Zwei - Drei - Vier.“
Brigitte kam bis zwölf, dann war es soweit. Plötzlich hörte man Florence laut schreien.
   „Linus, du verrückter Hund!“

Dann war Stille und kurz darauf das Lachen Daniels zu hören. Auch David und Ferdinand lachten jetzt lauthals.
   „Was ist denn?“, wollte Susan jetzt endlich in Erfahrung bringen. Brigitte erzählte es Susan.
   „Linus und Wasser, Susan, das ist ungefähr so, wie ein Otter in einem Schwarm Fische.“
Jetzt verstand Susan, weshalb David und Ferdinand lachten,

   „Du meinst…“, dabei deutete Susan mit der Hand in Richtung Badezimmer, „du meinst Linus und Wanne??“
   „Ja, das meine ich damit.“
Jetzt lachten auch die beiden Frauen und als Florence pitschenass in der Küchentüre auftauchte, war es ganz und gar geschehen.
   „Was gibt es da zu lachen?“, wollte Florence, die Hände dabei entrüstet in ihre Hüften stemmend, wissen.

   „Ich habe dir gesagt, dass ich Linus nicht mit ins Bad nehmen würde“, schaute Ferdinand wie ein Unschuldslamm. „Du aber hattest ja abgewunken, stimmt’s?“ 

Florence war bedient, doch sie musste einsehen, dass Ferdinand Recht hatte und nun lachten alle.


Familienleben, wie es wohl jeder von uns gerne erleben würde. Auch, wenn der, der diese Szene so mit Leben erfüllte, nicht mehr unter uns weilt, so hoffe ich doch, dass sein Buch sich noch lange am Markt hält und noch einige, begeisterte Leser generiert. Glaube ich doch daran, dass die Seele eines Menschen auch nach seinem körperlichen Tod noch unter uns weilt! 

Passt auf Euch auf! 
Britta Wisniewski
Traumstunden Verlag Essen 

Samstag, 23. Mai 2015

2015/50 - Der Krieg auf dem Buchmarkt ...

... nimmt ungeahnte Formen an!



Angefangen hat alles bei den Rezensionen! Auch wenn ich nicht genau weiß, wann Autoren dazu übergingen, ihre Bücher nicht mehr nur von "Fachrezensenten" bewerten zu lassen - es ist seit Jahren Usus, Kundenmeinungen und Buchrezensionen als Werbemittel einzusetzen. Logisch - in Zeiten von Google und Co. ist es eine "Win-Win" Situation für Autoren und Blogger. Der Blogger, dessen Blog nur an Reichweite gewinnt, wenn er regelmässig interessante Inhalte auf seinem Blog präsentieren kann, hat ein eigenes Bestreben - umso mehr, wenn er, wie es auch landläufig Gewohnheit ist, das Buch für seine Bewertung von Autor oder Verlag zur Belohnung seiner Arbeit geschenkt bekommt. Werbung, die bezahlt wird und sich bezahlt macht - im Normalfall für beide Seiten. Doch was, wenn der Rezensent nicht so begeistert von dem ihm überlassenen Werk ist, wie es Autor und Verlag erwarten? 

Es scheint in den Genen der Menschen zu liegen, von Jahr zu Jahr weniger kritikfähig zu sein! Die Hemmschwelle sinkt ständig! Allerorten ist die Rede von Einflussnahme auf Blogger und Rezensenten, ja nur gute Meinungen zu schreiben und zu veröffentlichen. Dabei ist durchaus bekannt, dass Geschmäcker verschieden sind. "Wenn Du nichts Gutes zu sagen weißt, schweige!", ist dabei noch die harmloseste Form angewandter ostasiatischer Höflichkeit. Eine Höflichkeit, an die sich durchaus nicht alle Rezensenten zu halten verpflichten. "Ich habe eine Meinung, und ich sage sie!" ist allerdings durchaus selten geworden - denn die Folgen sind mannigfaltig und selten gut! Blogger, die sich durchsetzen, die ihre Meinung kund tun, auch wenn diese Meinung keine Lobpreisung ist, werden bedroht, gemobbt, geächtet. Werden gezwungen, sich mit Autorenhilfe zusammenzuschließen, um dem immer mehr werdenden Ansturm schlechter Bücher auf dem Markt in einer Art und Weise Herr zu werden, die ihnen dennoch die Existenz nicht gefährdet. Eine traurige Entwicklung auf einem Markt, der eigentlich den schönen Seiten des Lebens dienen sollte, der Erholung und der Entspannung! Von beiden ist auf dem Buchmarkt derzeit wenig bis gar nichts zu spüren, Buchschaffende und Leser berichten gleichermaßen von einer ziemlich angespannten Lage, die mehr den Anschein eines Krieges hat als den zufriedener Entspannung! 

Stufe zwei war dann der eBook-Klau! Wo immer es etwas umsonst gibt, wird es jemanden geben, der es nicht wertschätzt - so meine Meinung! Und ich bin der festen Überzeugung, dass sowohl der Verkauf von Rezensionsexemplaren an Gebrauchtbuchkäufer als auch der eBook-Klau die gleichen Wurzeln haben: Den Verfall des Wertes geistigen Kulturgutes! Die Musikbranche macht es seit Jahrzehnten vor! Es ist "in" auf den "Klau-Samplern" zu landen, weil es bedeutet eine Verbreitung des eigenen Songs, eine Verbreitung, die für Bekanntheit sorgt. Also sowas wie eine kostenlose Promo-Tour, für die der Künstler nichts tun muss - außer darauf warten, dass sie wirkt. Irgendwann. Nur was ist mit denen, die ein Leben lang darauf vergeblich warten? Deren Lieder in privaten Haushalten rauf und runter gespielt werden ohne dass die GEMA auch nur die Chance hat, irgendwem auch nur einen Cent dafür zu berechnen? Kein Internetradio ist dazu verpflichtet, Spiellisten einzureichen - warum auch? Und jetzt trifft es eben auch den eBook Markt. 

Sicher - ich kann meine eBooks mit digitalen Wasserzeichen versehen. Mit einem Kopierschutz! Dumm nur, dass ich schnell feststelle, dass das auf dem Markt nur Nachteile für mich hat! Nicht jeder Reader akzeptiert jeden Kopierschutz, manche Portale stellen mich vor die Wahl: Ihren oder keinen ... und ich bin auf Gedeih und Verderb dem Kunden ausgeliefert - der natürlich keinen Kopierschutz will ... aus mannigfaltigen Gründen, die alle industriell unterstützt werden. Versteht mich richtig: Ich konvertiere unsere eBooks selbst! Und ich war mehr als einmal gezwungen, mir ein bestehendes eBook am Markt selbst als Vorlage dazu zu nehmen, ein anderes Portal zu bedienen. Ich musste mit Schrecken feststellen, dass es derzeit nur ein Portal am Markt gibt, dessen Kopierschutz von der derzeit frei am Markt befindlichen, kostenfreien Software nicht aufzuheben ist - und dieses Portal ist Apple Itunes! Mögen Windows User über Apple schimpfen, was sie wollen - die Firmenphilosophie von Gründer Steve Jobs ist nach wie vor Thema: Diebstahl gibt schlechtes Karma, also verhindern wir ihn, wenn wir es können! Ich finde es gut! 

Inzwischen hat der Buchmarkt Stufe drei erreicht! Autoren von biografischen Büchern sind sich nicht mehr zu fein dazu, Kollegen am Buchmarkt des Umstandes zu bezichtigen, ihre eigene Biografie zu faken! Und ganz ehrlich? Ich frage mich: Warum? Ich meine - jeder Mensch hat seine Geschichte! Die einen rennen mit ihrem Erleben zum Psychiater, die anderen schreiben ein Buch darüber! Als ich mich zum ersten Mal mit dem Umstand auseinandersetzen musste, dass jemand etwas von mir veröffentlichen wollte, kam der damalige Verlag auch auf die Idee, meine Lebensgeschichte könnte interessant für ihre Leser sein und wollte, dass ich meine Biografie aufschreibe. Heute bin ich dankbar dafür, dass dieser Verlag die Veröffentlichung nicht mehr erlebte weil bitte: Wer will sowas lesen? Ich habe meinen Weg gemacht - wie auch immer! Und ich finde nicht, dass dieser Weg es wert ist, in Buchdeckel gepresst zu werden. Aber das ist nur meine Meinung zu meiner Geschichte! 

Andere Menschen sehen es anders! Und manche von ihnen haben durchaus eine Geschichte, die erzählenswert ist! Und durch den neuen Buchmarkt eine Chance, dies auch bei einem breiten Publikum zu tun! Und hey: Wenn ich meine Geschichte aufschreibe, weil ich das will - wenn ich sie veröffentliche, weil ich das will - und dann kommt ein anderer Autor auf die Idee, es mir gleich zu tun - was stört es mich? Ich habe meine Geschichte, er hat seine! Ich habe meinen Weg, er hat seinen! Was hat es mich zu kümmern, ob seine Biografie echt ist oder meine besser? Hört mit der Vergleicherei auf - ihr seid alle einzigartig! Und genauso einzigartig sind Eure Leser! Sorry, Leute - es nervt! Und ich will Euch auch genau sagen, warum! 

Auch ich habe mehrere Biografien im Verlag und noch einige mehr gehabt! Unter anderem zwei Bücher, bei denen ich den Urhebern bzw Autoren gewünscht hätte, sie würden den Erfolg ihrer Geschichten noch erleben - denn in beiden Fällen wurden die Bücher geschrieben, nachdem derjenige, dem sie zu verdanken sind, schon verstorben ist! "Hab keine Angst!" von Brigitte Lauterberg und "Du warst eine ganz Starke" von Wolf Kuhlmey sind beides Nachrufe auf geliebte Menschen. Bücher, die den Leser betroffen zurücklassen. Bücher, die klar machen, wie kurz das Leben bisweilen ist und wie erschreckend schnell es zu Ende gehen kann! Und auf der anderen Seite erlebe ich Menschen, die durch die Hölle gegangen sind und sie überlebt haben! Jede durch ihre! Die aber, statt sich zu solidarisieren und Freunde zu werden nichts Besseres zu tun haben, als die Qualität des anderen Lebens anzuzweifeln? Ganz ehrlich meine Damen - geht es Euch zu gut? Ja, damit meine ich Euch beiden! Auch wenn ich keine Namen nenne! Lasst es gut sein! Bleibt auf Eurem eigenen Terrain geht Eure Wege so weiter, wie ihr es bisher getan habt, unbeirrt! Und verliert Euch nicht in Grabenkämpfen um ein paar Buchstaben oder sowas wie Qualität! Lasst Eure Leser entscheiden, ob Eure Lebensgeschichten es wert sind, gelesen zu werden! Und hört auf, Euch zu bekämpfen! Eigentlich müsstet ihr nämlich Freundinnen sein! 

Aber leider ist genau dieses Verhalten ein guter Spiegel dessen, was am Buchmarkt gerade vor sich geht! Tiere, die wissen, dass nicht genug Nahrung für alle da ist, werden zu Kannibalen! Und in diesem Fall zeigt der Buchmarkt ganz klar, dass er völlig überlaufen ist, denn die Autoren neigen inzwischen zum gleichen Verhalten und versuchen, ihre Konkurrenz vom Markt zu bekommen - nicht mehr, indem sie sich auf ihre eigene Werbung und den Gewinn neuer Kunden konzentrieren sondern indem sie versuchen, die Konkurrenz auszuschalten, zu vernichten! Und natürlich ist jeder im Recht! 

Mir kanns eigentlich egal sein - dennoch geht es mir gegen den Strich! Weil ich Bücher mag! Weil ich Menschen mag! Und weil ich Frieden mag! Und nur deswegen habe ich es kommentiert! Und wenn mich jetzt beide Seiten verteufeln - Herrgott, dann ist es eben so! Damit kann ich leben und wisst ihr auch warum? Weil ich ein Recht auf meine eigene Meinung habe! Punkt! 

Passt auf Euch auf! 
Britta Wisniewski
Traumstunden Verlag Essen