Traumstundenfees Bücherkiste

Sonntag, 31. August 2014

31.08.2014 - Dienstleistung versus Druckkostenzuschuß

Zwei in einem Sack - und die Knüppel prügeln auf sie ein!

Dabei sind es zwei völlig unterschiedliche Verlagsarten! Von denen eine der beiden sich  - rein moralisch gesehen - gar nicht Verlag schimpfen dürfte, da sie einige für einen Verlag charakterischen Dienstleistungen gar nicht erbringt.

Noch als ich 2010 meinen Verlag gründete, war ich der festen Überzeugung, "Verlag" dürfe sich nur nennen, wer imstande und in der Lage sei, für den Autor völlig kostenlos zu produzieren. Ich übernahm diese Überzeugung, die mir "vorgebetet" worden war kritiklos und da ich diesem Kriterium entspreche, hielt ich die "Verlage gegen DKZ Fahne" auch immer schön hoch.

Vier Jahre sind inzwischen ins Land gegangen. Vier Jahre in denen ich  mit unzähligen Diskussionen rund um DKZ und Druckkostenzuschußverlage konfrontiert wurde. Vier Jahre, in denen ich mir kaum einmal Gedanken darüber machte, warum es Verlage und Verleger gibt, die Geld für ihre Dienstleistungen nehmen - und noch weniger darum, warum diese Verlage am Markt immer mehr werden.

In der letzten Zeit bin ich gezwungen, mich mit einer furchtbaren Entwicklung am  Markt auseinanderzusetzen. Theatralisch gesehen müsste ich sagen: Es hat ein Werteverfall stattgefunden. Der überdies auch noch mathematisch erklärbar ist. Schlimm genug - nur warum ist niemand in der Lage, ihn aufzuhalten?

Die Öffnung des Buchmarktes für Selfpublisher begann mit BOD. Wenige Jahre später zog Lulu.com nach und wurde schlußendlich von Amazon vervollständigt. Bezeichnend daran: BOD und Lulu.com fertigten in ihren Anfängen nur Printbücher. Als Amazon dazustieß, legten diese ihren Focus genau NICHT auf die Druckerzeugnisse - ja ich sage sogar, Amazon machte eBooks salonfähig. Denn bevor die "Kindle-Plattform" am Markt erschien, gab es nur zwei oder drei Anbieter für eBooks auf dem deutschen Markt - alle drei arbeiten nach dem klassischen Verlagsmuster und treffen eine Auswahl der Titel, die sie in ihr Programm aufnehmen. Amazon hingegen verzichtete genau auf diesen Qualitätsstandart. Schon kurz nach der Öfnung der Plattform wurde sie überschwemmt von "Autoren", die eine neue Geschäftsidee für sich entwickelt hatten. Mittels einer Texterstellungssoftware schrieben sie "Bücher", die für kleines Geld angeboten wurden, meist handelte es sich dabei um Ratgeber, die am Ende nur einen Rat gaben: Finger weg davon.

Doch vom "schnellen Geld" mittels eBook Verkauf wurden nicht nur Betrüger angezogen. Gefrustete Autoren, oft mehrfach von Verlagen abgelehnt, bekamen eine Möglichkeit, ihre fertigen Werke zumindestens so an den Markt zu bringen, dass sie ein verkäufliches Format erzielten. Über die Qualität möchte ich nicht reden, aber ich gebe zu bedenken, dass viele dieser Bücher nie ein Korrektorat geschweige denn ein Lektorat gesehen hatten.

Der Gesamtbestand der Deutschen Nationalbibliothek belief sich Anfang 2014 auf rund 28,7 Millionen Einheiten. Sprich es existieren 28,7 Millionen Druckbücher am deutschen Markt. Wieviele Bücher lest IHR denn so in einem Jahr? Mich darf ich nicht als Maßstab nehmen - seit ich den Verlag habe lese ich zwar mehr als früher aber ich kaufe weit weniger!

Summa summarum gibt es inzwischen also mehrere Sorten Buchproduzenten am Markt. Von denen - meiner Meinung nach - nur eine es verdient hat, verteufelt zu werden! Und DAS sind die Druckkostenzuschußverlage, die anders als die seriösen Dienstleister, Unsummen Geldes alleine dafür nehmen, Bücher zu produzieren, die kaum je jemand lesen oder kaufen wird. Weil der Produzent - denn Verlag möchte ich diese Abzocker nicht nennen - gar kein Interesse daran hat, die produzierten Bücher jemals zu verkaufen! Denn sie sind ja bei Herstellung schon in vollem Umfang bezahlt! No kidding! 

Im Gegensatz zu Dienstleistungsverlagen, die in der Lage und bereit sind, ihre Leistungen und die Preise dafür einzeln und minutiös aufzuschlüsseln, verlangen Druckkostenzuschußverlage horrende Summen für eine Buchproduktion. Manchmal bieten sie dafür auch Sonderleistungen an, die "kein anderer Verlag zu diesem Kurs realisieren kann". Oder schreiben Teilnahmen an Anthologien aus, nach denen man die Bücher, in denen das eigene Werk steht, zu überteuerten Kursen kaufen kann. (Auch ich war bereits geneigt, für ein solches Jahrbuch Hunderte Euros hinzulegen, so stolz war ich auf meine Veröffentlichung darin, bis ich begriff, welche Masche dahinter steckte!) 

Druckkostenzuschußverlage und Selfpublisher werden aber die einzigen beiden sein, die in 2-5 Jahren am Markt noch existent sind ... WENN sich nicht bald etwas tut! Qualität ist kein Kriterium mehr, wenn der Kampf über den Preis geführt wird. Und die Autoren sich in vier Kategorien teilen, von denen nur noch zwei bei klassischen Verlagen veröffentlichen. Und ich betone: Ich verurteile inzwischen KEINEN Kollegen mehr, der für seine teils immensen Dienstleistungen Geld nimmt, sofern dafür die entsprechende Dienstleistung auch erbracht wird. Wenn der Buchmarkt sich weiterhin so wie jetzt entwickelt, werden Verleger zu Glücksrittern ... sie haben eine Chance auf den "goldenen Wurf" der an die Wahrscheinlichkeit eines Lottogewinns heranreicht! Und wenn wir uns dieses Szenario vor Augen führen, dann möge man mir verzeihen, wenn ich sage: Ich kann die Dienstleister in vollem Umfang verstehen! 

Passt auf Euch auf! 


Samstag, 30. August 2014

30.08.2014 - Verlegerin auf Jobsuche?

Von(m) Träumen lassen sich keine Rechnungen bezahlen!

Allem voran einmal Danke an alle, die sich nach dem letzten Blogartikel bei mir gemeldet haben und mir um ein weiteres Mal sagten, dass es richtig und wichtig sei, solche Dinge aufzuschlüsseln. Aber auch eine Frage hat mich immer und immer wieder ereilt: Wie kommst Du auf 15.000 Euro Umsatz? Soviele Kosten HAT doch keine Firma?

Gehen wir einmal davon aus, dass die 15.000 Euro Umsatz einen Steueranteil von 7% erhalten, beginnt da schon die erste Krux - der Einfachheit halber mit 10% gerechnet, bleiben damit von 15.000 Euro nämlich nur noch 13.500. Und wenn man, so wie ich, von Zuhause aus arbeitet, mischen sich auch private und berufliche Kosten. Was auch gerne immer wieder vergessen wird: Nicht jedes Buch, das gedruckt wird, wird auch verkauft! In meinem letzten Posting habe ich Euch grob die Summe genannt, die pro Buch beim Verlag bleibt ... heute möchte ich Euch einmal aufschlüsseln, welche Kosten einem Verlag entstehen (können). Bitte beachtet, dass ich hier auch wieder einmal mit Beispielzahlen arbeiten werde, die der besseren Nachvollziehbarkeit halber "geradegezogen" worden sind. Jetzt aber allem voran einmal die verschiedenen Kostenfaktoren, die einem Verlag entstehen (können)

Telefon, Mobiltelefon, Internet
Porto
Buchsatz
Coverbau
Trailerbau
Raummiete
Druckkosten
Verpackungsmaterial
Büromaterial 
Lektorat
Personalkosten
Rückführung von bestehenden Verbindlichkeiten
Werbekosten Printwerbung


Und jetzt versehen wir das ganze doch einmal mit Zahlen und legen nur mal einen Buchdruck pro Monat zugrunde, der "normal" abgewickelt wird.

100,00 Euro Telefon, Mobiltelefon, Internet
200 - 500 Euro Porto (manchmal mehr!)
200 - 500 Euro Verpackungsmaterial (manchmal mehr)
50 - 100 Euro Büromaterial 
50-150 Euro Trailerbau
500 Euro Druckkosten (250 Bücher)
750 Euro Verbindlichkeiten
500 Euro Werbekosten

Die nachfolgenden Kosten sind in meinem Fall hypothetisch, weil die Arbeiten derzeit nicht fremd vergeben werden:
Buchsatz pro Buch: 600,- Euro
Raummiete geschätzt 600 - 1200  Euro inklusive Strom je nach Größe
Lektoratskosten 600-1200 Euro 
Personalkosten 1000 Euro 

Rechnen wir alleine diese Positionen zusammen, kommen wir auf eine Gesamtsumme von 7100,00 Euro. REINE Kosten! Und es ist noch nicht eine Schnitte Brot auf dem Tisch! So ein Verleger hat auch Familie - und die will was essen ... die will wohnen, die will Strom, Wasser und Telefon haben. Was fällt an für eine 5köpfige Familie?

Miete 1100 Euro inklusive Strom
Telefon/Handy 200 Euro für alle Familienmitglieder
Lebensmittel für 5 Personen: 800 Euro 
Kleidung, Schulsachen etc. 900 Euro
Fahrtkosten bei Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel: 100 Euro
Fahrtkosten mit Auto 200 Euro 
Sonstiges (Reparaturen, Klassenfahrten, Haustiere, Hobbies) 700 Euro 

Somit ergibt sich ein zu erwirtschaftender Betrag von 4000 Euro - zusammen mit den Kosten für den Verlag erreichen wir die stolze Summe von 11.100 Euro. Bei EINEM Buchdruck jeden Monat. Schon, wenn es nur zwei sind kommen weitere Kosten hinzu. 

Und wenn wir JETZT worst case rechnen und legen unsere schlechteste Zahl von 1,74/Buch zugrunde, so wird klar, dass ein Verlag jeden Monat 10.000 Bücher verkaufen müsste um diese Summe zu erreichen. Utopisch! Und im Moment bin ich geneigt, mit Realzahlen zu rechnen um eine gewisse Nachvollziehbarkeit zu erreichen - denn auf der Einnahmenseite stünden läppische 4000-5500 Euro wenn ich hypothetisch bleibe. Warum also gründet jemand bei einer solch offensichtlichen Unmöglichkeit einen Verlag - und welche Fehler führen schlußendlich zum Aus wenn es dann schiefgeht? 

Größenwahn
Viele Jungunternehmer machen den Fehler, Umsatz mit Gewinn zu verwechseln und den Steueranteil der Einnahmen nicht beiseite zu legen. Kommt dann die Steuer, sind schnell vierstellige Zahlen fällig - Rücklagen wurden nicht geschaffen ... 
Zu frühe Investitionen
Da muss ein Auto her, ein teurer Computer, ein neuer Drucker ... natürlich auf Pump! Und hinterher, wenn die Raten kommen, reichen die Umsätze nicht aus ... 
Fehlkalkulation
Niemand ist perfekt - Fehler können passieren! "Es gibt keine Fehler, es gibt nur Feedback", würde mein Coach jetzt sagen! Und das Feedback auf Fehlkalkulationen sind zu beispielsweise hohe Lagerbestände. Totes Kapital für den Verlag. Mit dem man keine Rechnungen zahlen kann!
Lange Zahlungsziele
Ein Verlag MUSS dem Großhandel Zahlungsziele einräumen, die im Schnitt drei bis sechs Monate lang sind. Unsere eigenen Fristen um unsere Rechnungen zu bezahlen liegen aber meist in einem Zeitrahmen zwischen 14 Tagen und vier Wochen.  Sprich bereits im ersten halben Jahr (in dem oft noch gar keine Buchhandelsanbindung besteht) entstehen oft Verbindlichkeiten in immenser Höhe. Kommen dann noch Umsatzeinbussen durch schlechte Wirtschaftslage hinzu, ist oft schnell der Zenit erreicht. 

Unter dem Strich bleibt ein Fakt: 
Jeder Kleinverlag startet mit einer Menge Idealismus - und oft mit hohen Krediten. Die wenigsten überstehen das fünfte Jahr. Oder wechseln in das Lager der Druckkostenzuschußverlage oder Dienstleistungsverlage. Was NICHT das Gleiche ist, das bitte ich zu beachten! Zum Unterschied werde ich morgen kommen - ihr könnt in den nächsten Tagen wieder mit mehr Blogartikeln rechnen! Es gibt nämlich einiges zu sagen und ich gedenke das zu tun.

Bis dahin aber macht es gut, geniesst Euer Wochenende und

Passt auf Euch auf!