Traumstundenfees Bücherkiste

Mittwoch, 29. Oktober 2014

29.10.2014 - Zumindest ein Teil von uns ...

... ist erwachsen geworden!

Der heutige Tag hat es in sich! Wie konnte ich auch annehmen, dass es beim Tod meiner Mutter mit dem Tod meiner Mutter abgehen würde? Ich meine ... hey ... das ist mein Leben hier, willkommen im Land der ungeplanten Katastrophen, der kleinen und großen Unwegsamkeiten, der Ungereimtheiten, des Chaos. Und doch: Ich hatte Hoffnung, dass es wenigstens einmal ... aber weit gefehlt! 

Verzeiht mir, wenn ich Euch heute mit meinem Privatleben langweile. Mit meinen Gedanken, fernab von der Wirtschaft, dem Buchmarkt oder irgendwelchen Autoren. Wobei letzteres wieder nicht stimmt, denn ein Autor ist maßgeblich daran beteiligt, dass ich hier sitze und das hier schreibe. Obwohl er gar nichts davon weiß. Noch nicht. Vielleicht wird er diesen Blogartikel ja lesen. Irgendwann. Wenn auch sein Leben wieder in die gewohnte Ordnung zurückgekehrt ist. Wenn seine Mutter beerdigt, die Wohnung aufgelöst, die Formalitäten erledigt sind. Wenn die Frau, die ihn geboren hat und die er niemals wirklich kannte, nur noch ein Teil seiner Erinnerung ist - mit Erinnerungen aus dritter Hand, denn wirklich gekannt hat er diese Frau nicht. Ebenso wenig wie ich ihn kannte und kenne - mit dem Unterschied, ich habe noch eine Chance, daran etwas zu ändern ... er nicht!

Ja, ihr habt es sicher längst erkannt! Ich rede - oder besser schreibe - von meinem eigenen, leiblichen Bruder. Von einem Teil meiner Familie, das mir näher sein sollte, als nur irgendwas, das mir aber fremder und ferner ist, als Captain Kirk die nächste Galaxie. Und im Moment wünsche ich mir, es wäre mit einem "Beam me up, Scotty!" getan. (Und ja, ich weiß, die deutsche Übersetzung ist falsch, liebe Startrek-Fans ... bitte keine Diskussionen, manchmal darf man bei mir auch mal nur die Bedeutung nehmen und nicht die Worte auf die Goldwaage legen!)

Kennt ihr das Gefühl, wenn etwas passiert, das euch klarmacht, dass sich - abhängig von Eurer eigenen, nächsten Entscheidung, Euer zukünftiges Leben rapide ändern wird? Nur eine Kleinigkeit, eine Winzigkeit und doch wisst ihr mit Sicherheit: DAS war es mit dem, was ihr bisher kanntet, ab jetzt ist alles neu! Bei mir war diese Winzigkeit eine SMS - gestern nacht. 

Eine SMS, die dafür sorgte, dass 32 Jahre meines Lebens im Zeitraffer an mir vorüber rasten. Eine SMS, die mich binnen von Bruchteilen von Sekunden einmal komplett durch alle Facetten von Logik und Emotion warf. 
 "Britta - ignorier sie! Alex hat ihm doch schon gesagt, dass Du keinen Kontakt willst! Wenn er was will, kann er dich auf amtlichem Weg erreichen!"... der Trotz war schnell bei der Sache und SEHR aktiv!
"Britta - sei nicht dumm! Schau wenigst rein, schau, was er schreibt ... niemand zwingt Dich, ihn mit offenen Armen zu empfangen, aber Du solltest ihn sagen lassen, was er zu sagen hat!" ... die mahnende Stimme der Vernunft.
"Komm schon ... trau Dich! Wird vermutlich eh nur um Geld gehen! Was kann Dich schon erwarten! Aber Du wirst eh nicht schlafen können, wenn Du nicht weißt, was drin steht!" ... die Neugier ... wie Recht sie doch wieder hatte. 

Ob mein Handy sich gestern nacht wohl gefühlt hat wie ein giftiges Insekt? Jedenfalls meine ich, es so angefasst zu haben! Die SMS zu öffnen und zu lesen war wirklich Überwindung. Meine "heile Welt" war zwar nicht heil, aber sie war unangetastet - und das hier, DAS konnte sie so richtig bedrohen! Das jedenfalls versuchte mir die Angst einzureden! Meine Insel der Gefühle war mal wieder in hellem Aufruhr! 

Schlußendlich habe ich die SMS geöffnet und gelesen. Und danach ein paar Minuten ganz tief in mich hineingehorcht. Und unter dem ganzen Geschnatter der Gefühle in meinem Kopf und Herzen war sie auf einmal da, diese leise Stimme, die, die man nur hört, wenn man bereit ist, sich ganz nah zu kommen. 

"Britta - nimm Dir ein Herz, gib Dir einen Ruck! Du hast gerade einen Teil Deiner Familie eingebüsst - riskiere nicht den nächsten auch noch! Er mag Dir weh getan haben damals, vor 32 Jahren, aber hey ... Du hast es überlebt, oder? Und ausserdem: Um wen geht es hier? Es geht weder um Dich noch um ihn, jetzt nicht, jetzt geht es um Eure Mutter! Die Euch beide auf die Welt gebracht hat, wenngleich ihr eher geneigt seid, geworfen zu sagen, aber hey ... Du hast es überlebt, oder? Tu mir einmal in Deinem verdammt chaotischen Leben einen Gefallen und MACH ETWAS ANDER(E)S ... als Du gerade im Begriff bist, es zu tun! Gib diesem Menschen eine zweite Chance oder nein: Gib ihm überhaupt mal eine Chance ... denn damals hat man Dich nicht darum gefragt - JETZT entscheidest DU! Und hey ... Du wirst es überleben! Du hast alles überlebt ... so what?!"

So what? Und beinahe hätte ich sie wieder zu Wort kommen lassen, die Stimme des Nörglers, die schon wieder ansetzte, mir erklären zu wollen "So einfach ist das nicht ...!"

Doch, es ist so einfach! Es ist einfach und schwer zugleich. "Lass mich erst mal das hier stemmen und dann schauen wir, dass wir uns kennen lernen ... Dein Tempo ... Deine Regeln ... " so schrieb er mir heute, dieser Fremde, von dem die Welt mir sagt, dass er mein Bruder ist. Dieser Mensch, von dem ich seit einigen Minuten weiß, dass er als Autor und Grafiker weit näher an mir und meiner Berufslaufbahn dran ist, als ich es je zu vermuten gewagt hätte. Der Vater einer 5jährigen Tochter ist ... ey, Du bist älter als ich und ich dachte immer, ICH hätte spät angefangen?! ... der mir ein Fremder ist ... ein Fremder, der nichts, aber auch gar nichts mehr gemeinsam hat mit dem Bild das ich all die Jahre mit ihm verband, das in mir eingebrannt war und mir lange Jahre meines Lebens vergiftete. Dem Bild, das zu verblassen beginnt, jetzt, da ich seinen Blog und seine Mails lese, jetzt, da ich im Begriff stehe, mit ihm gemeinsam einen Teil unserer gemeinsamen Vergangenheit zu begraben. Unsere Mutter ... 

In vermutlich drei Wochen wird sie sein, die Beisetzung. Eine Beisetzung, von der ich schon heute weiß, dass mehr beerdigt werden wird, als nur der Mensch in seinem Urnengrab. Denn ein Teil meiner Vergangenheit wird mit ihr eingeäschert werden. Ich brauche ihn nicht mehr! Denn auf mich wartet die Zukunft!

Passt auf Euch auf!
Britta Wisniewski

Dienstag, 28. Oktober 2014

28.10.2014 - Du hast auch schon einmal ...

... mehr getan!

Kennt ihr diesen Satz? Habt ihr ihn auch schon einmal gehört - oder selbst ausgesprochen? Sicherlich, oder?

Die Situation ist immer die gleiche - aus welchem Grund auch immer, ein Mensch verändert sein Handeln. Und zwar so, dass es seiner Umwelt auffällt. Jemand, der sich lange Zeit durch absolute Präsenz auszeichnete, wird stiller und stiller und verschwindet vielleicht teilweise ganz von der Bildfläche.

Anfangs fällt es vielleicht noch gar nicht so sehr auf. Schließlich ist jeder von uns jeden Tag mit unzähligen Dingen beschäftigt und keiner von uns hat wirklich Zeit, sich dauernd darum zu kümmern, wer von seinen Kontakten jetzt genau was tut. Aber irgendwann fällt es auf. Irgendwann fehlt etwas ...

Als es anfing um den Verlagsblog ruhiger und ruhiger zu werden, hatte ich noch Nachfragen. Viele Menschen waren an meine täglichen Blogartikel gewöhnt, meine Stammleser vermissten meine Blogartikel und mehr als einmal kam die Frage "Das wird aber doch wieder mehr, oder?" 

Doch was hätte ich antworten sollen? Sprach mein Handeln nicht Bände? War nicht offensichtlich, dass mir die Themen ausgingen, bei mir die Luft raus war und die Frustration drohte, sich meiner letzten Disziplin zu bemächtigen? Vermutlich war es das nicht. Und doch war es so. Immer häufiger saß ich vor meinem Blog, kaute auf meinen Fingernägeln und versuchte, etwas anderes zustande zu bringen, als dauernde Klagen und Anklagen über den Zustand auf dem Buchmarkt. Und immer weniger gelang es mir. Wenn ich dann doch noch einen Blogartikel zustande brachte, war er überwiegend negativ gefärbt, kaum noch war etwas von dem zu spüren, das mich einmal ausgezeichnet hatte: Die Euphorie bei der Suche nach gangbaren Wegen und Möglichkeiten. Und das störte nicht nur mein Publikum, das störte auch mich ganz gewaltig. 

"Wenn die Dinge nicht Deinen Weg gehen, musst du etwas ändern!"
Dieser Satz, in seinen vielen Wesen und Erscheinungsformen begleitet mich seit Jahresanfang im Grunde jeden Tag. Doch diesmal war ich ratlos. Was bitte sollte ich ändern? Mir würden sicher keine neuen Ideen kommen, wenn ich anfangen würde, meinen Küchentisch jetzt von links nach rechts statt umgekehrt abzuwischen! Natürlich mussten Innovationen her - neue Ideen waren gefragt, aber woher sollten die kommen? Wenn in meinem Kopf noch was Anständiges drin gewesen wäre, hätte ich doch nicht mit steigender Sicherheit Mist zusammengeschrieben, oder? 

Manchmal regeln sich Dinge von alleine. 
Und manchmal greift das Leben Dir in die Speichen. Bei mir tat es das in den vergangenen zwei Monaten auf mehrfache Art und Weise. Wie ein Sandkasten wurde mein Leben durchgesiebt und wie mit einem Sieb wurden einige Menschen und Dinge daraus entfernt. Ich, meine Ansichten und meine Lebensregeln und Grundregeln standen teilweise ganz schön auf dem Prüfstand, das dürft ihr glauben. Ich bin mir sicher, ein Arzt oder ähnlich fachlich qualifizierter Mensch hätte mit Sicherheit eine Kennzeichnung aus dem IDC-10 gefunden um meinen Zustand zu beschreiben - aber ich wollte weder einen Arzt, noch wollte ich Medikamente. Ich wollte eine Lösung. 

Dass die Lösung schon lange im Gange war, sah ich nicht. Zu aufgewirbelt waren die Gewässer meines Lebens, als dass ich noch hätte erkennen können, was sich unter der Trübung meinem Blick entzog. Die meisten sichtbaren Veränderungen gingen nicht einmal von mir aus, sie erreichten - und trafen mich scheinbar nur. Und doch - eigentlich hatte ich jede von ihnen selbst zu verantworten. Und so hart es klingt, es bedurfte wirklich eines Todesfalls, um mich aus meiner Lethargie zu reißen und mir klar zu machen, dass sich nichts tun würde, wenn ich nicht bald anfangen würde, wieder etwas zu tun. 

"Veränderungen beginnen immer in Dir selbst!" 
Wie wahr dieser Satz ist, können wohl nur die Menschen erahnen, die am eigenen Leibe bereits einmal eine solche Veränderung in ihrem Leben erlebt haben. Vielleicht noch die, die in den letzten Wochen und Monaten ein wenig etwas aus meinem Leben mitbekommen haben. Direkt meine ich ... keine Vermutungen aus dritter Hand wie sie derzeit zuhauf im Internet kursieren und durch unkontrolliertes Weitertragen unbestätigter Informationen von Mal zu Mal mehr an Wahrheitsgehalt verlieren. 

"Du hast Dir bis Monatsende Ruhe ausgebeten - warum schreibst Du dann doch jetzt schon wieder einen Blog?"
Genau DESWEGEN! Weil es jetzt für mich an der Zeit dafür ist! Weil ich wieder Dinge tun möchte, die mir Spass machen, statt mich den Dingen zu beugen, die anderen den Erfolg bringen sollen! Weil Erfolg  - so habe ich erkannt - für mich etwas ganz anderes bedeutet, als jeden Tag in der gleichen Tretmühle etwas jeden Tag gleich zu tun und mich für etwas loben zu lassen, das mir nichts bedeutet! Es sind einige Veränderungen im Gange, manche bereits sichtbar, manche unsichtbar, selbst für mich. Aber jede dieser Veränderungen ist wichtig und wertvoll für mich und führt mich ein Stück weiter auf dem eingeschlagenen Weg. Der mit Sicherheit noch einige Überraschungen bereit halten wird. Für Euch - und für mich! 

Regelmässige Blogartikel ab dem 01.11.2014 habe ich Euch versprochen und daran werde ich mich auch halten. Aber ob ich es mir weiterhin so leisten kann, über Gott und die Welt zu philosophieren, wie ich es noch bis vor kurzem gerne getan habe? ;) Nun, man wird sehen! Ich schaue jedenfalls heute mit einem Schmunzeln in die Welt und mache mir Gedanken darüber, wie ich mein lesendes Publikum ab dem 01.11.2014 so fesseln kann, dass es nicht nur gar nicht mehr weg will, sondern mir vielleicht noch neue Leser mitbringt! 

Tipps und Hilfen werden, wie immer gerne genommen!

Passt auf Euch auf! 
Britta Wisniewski
Traumstunden Verlag Essen