Traumstundenfees Bücherkiste

Dienstag, 1. März 2016

4/2016 - Im Namen der Gerechtigkeit ...

... die Philosophie der Jäger



Hier sitze ich und sinniere gerade mal wieder ein wenig vor mich hin. Das Jahr 2016 steht für mich, so jung es noch ist, doch schon in komplettem Umfang im Zeichen der Jagd. Wie ich darauf komme, ist im Grunde schnell erklärt, denn Kampf und Krieg machen im Moment das Leben als "Buchmensch" vielerorts unmöglich. 

In der Buchwelt jagt ein Skandal den nächsten. Zwei Plagiatsvorfälle innerhalb kurzer Zeit legen die Spitze eines Eisberges frei, dessen Wurzel ich nicht kennen möchte. Weiß ich doch zu genau, dass es zu den Anfangszeiten des Mediums "eBook" ganze Vertriebsstrukturen für Softwarelösungen gab, die nichts anderes taten - oder tun sollten - als sogenanntes "Textspinning" zu betreiben - vorhandene Texte sollten, nach Copy, Paste und Mausklick, so ausgegeben werden, dass auf den ersten Blick ein neuer Text entstand. "Geld verdienen mit eBooks!" warben die Landingpages der entsprechenden Vertriebler mit ihrem Produkt. 

Wie gut diese Software wirklich ist? Ich gestehe - ich habe keine Ahnung! Ich denke, es ist wie mit jedem Programm - sie sind alle nur so gut, wie der Mensch, der sie bedient. Und ja - es ist gefühlt sicherlich "Betrug am Leser". Und die Moral hat einen herben Schlag erlitten. Ja und rechtlich gesehen ist es eine Katastrophe. Und und und. Aber wenn wir unseren Blick einmal weiten und ein wenig über unseren Tellerrand hinausschauen, so ist dieses Geschehen ein Armutszeugnis. Und zwar nicht nur für die Autoren, die sich "für das schnelle Geld verkauft haben", sondern auch für den Markt, der genau das zugelassen, ja zum Teil sogar gefordert hat!


Ich weiß, niemand, der das liest, wird sich jetzt angesprochen fühlen. Und ich werde keine Namen nennen, aber ich kenne sie noch gut, die Stimmen, die schon zur Zeit meiner Verlagsgründung dafür sorgten, dass Bücher auf eine Art und Weise bewertet wurden, die jetzt in einem Dumpingpreismarkt der besonderen Güte gipfelt. 

"Ich zahle doch nicht XX Euro für das Buch eines unbekannten Autors!"

"Warum soll ich für ein Taschenbuch mehr als 10 Euro zahlen?"

Es sind nur zwei der Stimmen, die mir damals schon das Herz schwer machten. Hat ein unbekannter Autor weniger lang und mit weniger Liebe an einem Buch geschrieben als ein bekannter? Sicher nicht. Dennoch wurde ihm damals schon und wird ihm heute umso mehr das Recht aberkannt, für eine erbrachte (Dienst)leistung ein angemessenes Salär zu bekommen. Egal, ob als SP oder als Verlagsautor - er ist in Vorlage gegangen - und zwar mit seinem geistigen Eigentum, egal, wie gut oder wie schlecht es auch sei! 

Und warum soll ich für ein Taschenbuch mehr als nur die Summe X zahlen? Weil es Geld gekostet hat, damit es erst einmal hergestellt werden konnte. Den Autor erstmal vielleicht "nur" Zeit, Schweiß und Tränen, den Lektor ein paar Hände voll Haare, wenn er sie sich gerauft hat, den Coverdesigner seine Kreativität, den Setzer und den Drucker ihre Professionalität. Den Verlag seine Organisation und die Logistik des Versenders. Alles das hat seinen Preis - dumm nur, dass ihn niemand zahlen wollte und heute noch weniger will. 


Dumm auch, dass sich nicht alle Autoren Deutschlands darüber einig sind, was sie wert sind. Wären sie es, gäbe es keine Plagiate und vermutlich auch keine "schnell zusammengeschmierten Bücher" mehr. Denn dann wären die Autoren es sich selbst wert, gute, saubere, solide Arbeit abzuliefern! Dann würde das Schreiben eines Buches solange dauern wie es eben dauert und das Veröffentlichen noch mal so lange, wie es eben braucht! Um den Markt braucht sich dann niemand mehr Sorgen zu machen, denn auf dem Markt sind im Moment genug Bücher, dass jeder derzeit des Lesens mächtige Mensch genug Lesestoff hätte, selbst wenn er jeden Tag ein ganzes Buch auslesen würde und das bis an sein Lebensende. 

Aber ich glaube, gewisse Dinge fänden dann ein schnelles Ende, allem voran die Dinge, die den Markt zerstören. Alle die Dinge, die ich in zwei Worten zusammenfassen kann: 

Mangelnde Wertschätzung


Egal, ob von Büchern, von Lesern, von Bloggern, von Rezensenten, von Verlagen, Lektoren, Designern oder was auch immer! Wäre sich jeder Mensch selbst etwas wert, so würde er diese Wertschätzung auch jedem anderen zukommen lassen. Bücher wären keine Massenware mehr und Autoren müssten sich nicht gezwungen fühlen, alle paar Wochen, ja fast schon Tage, etwas Neues auf den Markt zu bringen, damit nicht ein anderer Autor ihren Platz bei ihren Fans einnimmt. 


Die Quintessenz dieses Artikels stimmt mich traurig. Aber ich habe auch verstanden, dass sich diese Strömung und Entwicklung verselbstständigt hat. Ich kann mich nicht mehr gegen den Strom stellen, ohne selbst mitgerissen zu werden. Aber ich kann mich an die Seite stellen und eben diesen Strom an mir vorbeifließen lassen - und tue das inzwischen auch. Ich bin nicht nur Verlegerin, ich bin auch Autorin. Aber im Moment freue ich mich auf jeden Tag, an dem ich etwas Anderes sehe! Und ich glaube, auch mit diesem Denken stehe ich inzwischen nicht mehr alleine! 

Die Jagd ist eröffnet! Jetzt bin ich gespannt, wann der Buchmarkt endlich zur Strecke gebracht wird! 

Passt auf Euch auf! 

Britta Wisniewski
Traumstunden Verlag Essen

Mittwoch, 17. Februar 2016

3/2016 - Träume sterben nicht ...


... sie werden höchstens ermordet! 

Bildquelle:Pixabay

Dieser Moment, in dem ich am liebsten beim Anzeigenteil der Zeitung anrufen möchte um eine Todesanzeige aufzugeben ... "Hier stirbt mein Lebenstraum unter tatkräftiger Mithilfe vieler der Menschen, die jahrelang behaupteten, es wäre auch ihrer!" 


Ich weiß, dieser Moment geht vorbei. Diese Momente muss ich eigentlich sagen, denn ich kenne sie aus den Jahren meiner Tätigkeit im Verlagswesen aus wiederholten Situationen. Und mit unterschiedlichen Begründungen. Immer wieder stand ich an einer Stelle, an der nur noch eine einzige Frage über "aufhören" oder "weitermachen" entschied: "Will ich das wirklich?" Ich habe sie immer mit "Ja" beantwortet. Ich habe an den Erfolg geglaubt. 

"Ob Du etwas wirklich willst, wirst Du immer erst dann wissen, wenn es darum geht, es aufzugeben!" 
Ich weiß nicht, welcher kluge Mensch diesen Spruch so oder ähnlich verfasst hat, aber ich muss gestehen, wer immer es war - er hatte verdammt Recht damit. Heute war wieder einer dieser Tage, an dessen Anfang ich wieder einmal darüber nachdachte, ob mein Lebenstraum immer noch mein Lebenstraum ist. Ob er es bleibt oder ob er es jemals war. 


Ich stelle fest, mein Traum hat sich verändert. Ich habe mich verändert. Meine Vorstellungen von dem, was ich will und was ich nicht (mehr) will, haben sich verändert. Und wieder stoße ich auf einen Sinnspruch, der da lautet:

"Wenn Du feststellst, dass Du etwas nicht willst, hast Du den ersten Schritt zu der Erkenntnis getan, zu erfahren, was Du willst!" 

Und die Liste dessen, was ich nicht (mehr) will, wird immer länger - im gleichen Maße, wie die Liste der Menschen, die diese Dinge verursachen, bald täglich kürzer wird. 

Als ich anfing, hatte ich keine Ahnung davon, was es wirklich bedeutet, einen Verlag zu haben, zu führen, zu leiten. Das konnte doch nicht so schwer sein! Ich denke, bis heute habe ich diesen Gedanken hunderte, wenn nicht tausende Male bereut! Einen Verlag zu haben bedeutet allem voran nämlich, entweder der Leithammel zu sein, und damit die Richtung anzugeben, vorzugeben und den Weg zu gehen, auch wenn ich selbst nicht weiß, wo er hinführt - oder aber ein Schaf in einer Herde, die bei jedem Gewitter auseinanderläuft. 

Ich war nie der Mensch, der die Richtung bestimmen wollte. Wenn es einen Fehler gab, dann vermutlich diesen. Ich war und bin der Meinung, dass erwachsene Menschen das Recht haben, selbst zu entscheiden, was sie aus ihrem Leben machen  möchten und allem voran, wie sie das machen wollen. Da habe ich ihnen nicht reinzureden. Meine Meinung ... dumm nur, dass die Konsequenzen des Handelns Dritter in diesem Fall durchaus auch Einwirkung auf mein Leben hatten - und haben. Und dass ich über die Jahre auf viele Menschen treffen durfte, die in Bezug auf dieses Verhalten durchaus anderer Meinung waren, machte mein Leben nicht leichter ... denn diese Menschen versuchten durchaus, mir vorzuschreiben, was ich zu tun und zu lassen hätte. Manchmal tat ich es - teilweise wider meines eigenen Gefühls, manchmal tat ich es nicht - aber immer hatte ich die Folgen zu tragen. Sowohl die der Irrtümer manches "Wissenden" als auch die Folgen der Momente, in denen ich  - was selten vorkam - kategorisch "NEIN" dazu sagte, was andere dazu meinten, was ich zu tun oder zu lassen hätte. Und immer wieder war da diese Frage:"Will ich das überhaupt noch?"

Versteht mich richtig: Es gab auch schöne Momente. Es gab sie, diese Jubelmomente, in denen ich wusste und weiß, wofür ich kämpfte und bis heute kämpfe. Sei es ein Buch, das Jahre nach seinem Erscheinen und der dritten Auflage bei mir zu einem Dauerbrenner am Markt wurde und sich bis heute verkauft. Seien es gute Platzierungen bei Amazon, schöne Rezensionen und auch, wenn keines der betroffenen Bücher mein eigenes war, so war es doch jedes Mal auch meine Feier, auch meine Freude. 

Leider kann von Freude und Glück niemand leben. Umso weniger, wenn sie eines Tages im Gesamtbild nur noch "Momente" in einer dunkler und dunkler werdenden Masse auszumachen scheinen, in der mehr und mehr das Negative das Schöne verdrängt. Und irgendwann war er da, der Tag, an dem nicht mehr ich selbst die Frage stellte:"Willst Du das noch? Wie lange willst Du noch so weitermachen?" 

Im Dezember letzten Jahres musste ich eine Entscheidung treffen. Eine Entscheidung, die schon an die Türe klopfte, als 2014 meine Ehe zerbrach und meine Mutter starb. Die Entscheidung darüber, wie es finanziell weitergehen soll, weiter gehen wird. Unbemerkt für viele habe ich im vergangenen Jahr viel in meinem Leben verändert - und - wenn alles klappt, wird es eine weitere Veränderung geben, denn nach 6 Jahren der Selbständigkeit beginnt für mich spätestens am 01.05.2016 wieder eine angestellte Tätigkeit. 


Eine Tätigkeit, die mich, wie ich leider einsehen musste, weit näher zu dem bringt, was ich mir von den letzten Jahren umsonst erhoffte: Ein selbst bestimmtes, freies Leben! Oder, wie mir enge Freunde immer wieder sagen: "Britta, pass auf, was Du Dir wünscht! Es könnte wahr werden!" 

Passt auf Euch auf! 
Britta Wisniewski

Traumstunden Verlag Essen