Traumstundenfees Bücherkiste

Freitag, 21. November 2014

21.11.2014 - Mit Spannung ...

... ins Wochenende! 

Es wird wieder rot-weiß in Essen! 
Nein, ich rede nicht vom Fußball! Und schon gar nicht vom RWE. Nein, Rot-Weiß Essen hat mir nichts getan ... ihr größter Essener Sponsor schon eher. Ich konnte gerade so heute noch an mich halten, die entsprechende Sachbearbeiterin mit "Sterbe wohl!" zu verabschieden! 

Nein, es war nicht wirklich mein Tag heute! Die 12 Kilometer Fußmarsch haben meiner zukünftigen Figur sicher gut getan, die Tatsache, dass mein Wunschfahrrad 600 Euro kostet, vermutlich meinen Geschäftssinn angekurbelt (vor das Fahrrad haben die Götter nämlich die Bezahlung anderer Verpflichtungen gesetzt ...) Und letzten Endes ... irgendwie hat es dann doch geklappt und am Ende des Tages stand der Stempel: "Tagesziel erreicht!" Aber trotzdem - ich brauche einen anderen Stromanbieter - und Essen einen neuen Fußballverein! 

Unser Autor Marcus Sammet, DER hätte da mit Sicherheit eine Lösung! "Lass sie doch einfach Ausgeblutet vor sich hin trocknen", wäre so ein Satz, der glatt von ihm stammen könnte. 

"Ausgeblutet" heißt nämlich der zweite Band seiner "Sterbe Wohl" - Serie - und auch hier ist wenig so, wie es scheint, nichts vorhersehbar und Kommissar Zufall schiebt Doppelschichten! 


Leseprobe:

München, Freitag 13:00 Uhr
Kommissar Uwe Burger saß in seinem Büro und suchte auf dem bereits ausgedruckten Foto, das er auf Jens Klamms Handy gefunden
hatte, nach weiteren Hinweisen auf die Frau, die Jens Klamm auf so brutale Weise umgebracht hatte.
Leider war nur ihr Hinterteil, das dem kleinen Handyobjektiv am nächsten war, auf dem Foto scharf abgebildet. Im Hintergrund des
Bildes war zwar ein Spiegel zu sehen, doch die Unschärfe des Fotos ließ keine Rückschlüsse auf das, was in dem Spiegel zu sehen war, zu. Burger lehnte sich zurück. Was war nur los in dieser Stadt? Erst Jens Holler, der mit einer bisher nie da gewesenen Kaltblütigkeit Frauen das Leben nahm und jetzt eine Frau, die ebenfalls eine brutale Kaltblütigkeit an den Tag legte, dass es ihm allein bei dem Gedanken daran zwischen den Beinen schmerzte.
Die Tür ging auf und Sperber, einer seiner Beamten, trat ein.
„Chef, Jens Klamm ist nicht das erste Opfer, dem das Ding abgesäbelt wurde. Er ist zwar der Erste hier in Deutschland, aber nicht der Erste überhaupt.“
„Sperber! Etwas mehr Pietät bitte. Was meinen Sie mit ‚nicht der Erste‘?“
„In Österreich gibt es bisher 10 bekannte Fälle, jedoch ohne jeglichen Hinweis auf Täter oder Täterin. Man vermutet dort aber eine Täterin aus dem Rotlichtmilieu. Soll eine Hure sein, die sich an ihren Freiern rächt. Einen besonders bemerkenswerten Fall gibt es. Einem Puffesitzer wurde der Schwanz abgebissen.“
„Wie bitte?“
„Jo, Chef, abgebissen. Man hatte zunächst eine gewisse Britta Stockinger in Verdacht, doch hatten die Kollegen dort keine Beweise und
haben sie dann laufen lassen müssen. In späteren Fällen, in denen dann geschnitten wurde, wurde sie zwar immer gleich verdächtigt, jedoch konnte sie immer lupenreine Alibis vorweisen.“
„Gibt es Fotos von ihr?“
„Ja und Nein. Es gab zwar Fotos von ihr, doch die wurden bei einem Brand vernichtet.“
„Alle?“
„Alle. Brandstiftung im Kommissariat UND in der Staatsanwaltschaft. Allerdings war das nicht weiter schwierig, beides war in einem
Gebäude.“
„Macht die Frau für mich nur verdächtiger. Sonst etwas über Britta Stockinger?“
„Nein, bisher nicht. Sie hat schon lange nicht mehr in Österreich als Hure gearbeitet. Man vermutet, dass sie jetzt in Deutschland ihrem
Gewerbe nachgeht, ist aber unbestätigt.“
„Danke Sperber. Bleiben Sie dran, vielleicht finden Sie ja doch noch etwas Brauchbares.“
„Ok Chef.“
Sperber drehte sich um und verließ mit schnellen Schritten das Büro Burgers. Noch bevor der Kommissar weiter über Britta Stockinger
nachdenken konnte, klingelte das Telefon.
„Heimsuch, der, der sie gerne mal heim – sucht. Hallo Herr Burger.“
Burger verdrehte die Augen. Gab es eigentlich keinen anderen Pathologen mehr als Dr. Heimsuch mit seinem mehr als skurrilen Humor, schoss es dem Kommissar durch den Kopf, als er die Stimme des Gerichtsmediziners hörte.
„Hallo Herr Doktor. Ist Jens Klamm bei Ihnen gelandet?“
„Alle interessanten Fälle landen bei mir, Herr Burger, ich will doch nichts verpassen!“
Burger atmete genervt aus. Das passte zu Dr. Heimsuch.
„Ich habe bereits ein paar Details für Sie. Im Blut des Ausgelaufenen habe ich zwei verschiedene Substanzen gefunden, von denen die eine das Verbluten beschleunigt und die andere das nicht Verbluten verhindert hat.

„Sie sprechen wie immer in Rätseln. Was meinen Sie mit beschleunigt und verhindert?“
„Beschleunigt wurde es mit Viagra. Das erhöht den Blutdruck und die Durchblutung eben dort, wo es jetzt nichts mehr zu durchbluten gibt und zum anderen Marcumar, ein Blut verdünnendes Mittel, das zudem noch die Blutgerinnung starkverzögert. Also, selbst wenn durch den Schock das Viagra seine Wirkung verloren hätte und die Durchblutung auf ein normales Maß zurückgegangen wäre, hätte das Marcumar dafür gesorgt, dass er auf jeden Fall verbluten musste, weil es zu keiner Blutgerinnung gekommen wäre. Sozusagen Doppelmord an einem Opfer.“
„Also Viagra ist nicht einfach zu bekommen, zumindest nicht hier in Deutschland. Wie sieht es mit dem anderen Mittel aus, Mako ...?“
„Marcumar. Das bekommen nur Patienten, die gegen Thrombose behandelt werden. Nach Herzinfarkten wird es auch oft verschrieben. Das Blut soll flüssig ehalten werden. Das gibt es nur auf Rezept. Kein Apotheker würde es ohne herausgeben.“
„Gibt es sonst noch etwas, was Sie herausfinden konnten?“
„Der Schnitt. Wie eine sehr saubere Rasur. Sehr gründlich. Ich will damit sagen, dass es mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ein Rasiermesser war. Es ist deutlich die Schnittrichtung zu erkennen. Außerdem keine Ausfransung am
Ende des Schnitts, welche ein weniger scharfes Messer hinterlassen würde. Die Schnittfläche ist absolut charakteristisch.“
„Gut, danke Herr Dr. Heimsuch. Ich muss jetzt also nach einer Frau fahnden, die einen Stern auf ihrem Hintern hat, eine Vorliebe für
Rasiermesser und mit Zugang zu Viagra und Mokumur.“
„Marcumar.“

„Wie auch immer. Wann kann ich mit Ihrem Bericht rechnen?“
„Noch heute, ich denke nicht, dass ich noch mehr finden werde.“
„Danke. Wiederhören Herr Doktor.“
„Tschau Herr Burger.“
Burger war während des Gesprächs schlecht geworden. Die Frau, vermutlich sogar diese Britta Stockinger, hatte diese Tat eiskalt
vorbereitet und durchgeführt. Er griff zum Telefon und wies sein Team, Sperber voran, an, alle Möglichkeiten zu prüfen, an Viagra
und Marcumar zu gelangen. Ein Teil seiner Leute sollte sich durch den einschlägigen Anzeigenteil der Zeitungen forsten und nach einer Prostituierten suchen, die einen Stern auf ihrem Hintern hatte. So etwas musste doch irgendwann irgendwem aufgefallen sein.


So etwas musste doch irgendwann aufgefallen sein ...
Hat dieser Mensch jemals wirklich mit Zeugenwahrnehmung arbeiten müssen? Vermutlich nicht *seufz*Aber nun gut! Ich möchte nicht die Altakten der Kriminalistik bearbeiten, sondern Euch ein Buch vorstellen! Und "dusselige Kommisare" gehören DA leider zum Tagesgeschäft! Also: Passt auf, dass ihr nicht Marcus Sammet begegnet, wenn ihr Euer nächstes Verbrechen plant! Er könnte ein Buch daraus machen! 


Passt auf Euch auf!
Britta Wisniewski
Traumstunden Verlag Essen

Donnerstag, 20. November 2014

20.11.2014 - Das passende Buch zum Tag ...

... zu finden, ist manchmal gar nicht so einfach! 

Viele Faktoren wollen berücksichtigt werden! Zum einen haben einige Autoren nur ein, andere mehrere Bücher bei mir veröffentlicht. Zum zweiten möchte ich niemanden langweilen, aber auch jedem, der es verdient hat, die nötige Aufmerksamkeit zukommen lassen. 

Und heute - heute haben wir deswegen einen absoluten Sonderfall! Denn so gesehen hat die Autorin uns bereits verlassen! Allerdings ging Susanna Montua nicht, weil wir irgendwelche Streitereien hatten oder oder oder  was immer man unterstellen kann, wenn Autor und Verlag sich trennen, sondern es ist einfach so, dass sich ihr - insbesondere schriftstellerisches Leben - in den letzten beiden Jahren extrem verändert hat. Ich war/bin der Debutverlag ihres Debutromans - und ganz ehrlich: Genau darauf bin ich stolz! Denn wie inzwischen auch Marcus Sammet und einige andere aus meiner Riege, so macht Susanna Montua genau DAS, was auch ich immer sage: Wenn jemals ein grösserer Verlag Interesse an Euch hat, ich lasse Euch gerne ziehen! Wichtig ist MIR nur, dass IHR glücklich werdet und Euch niemand das Schreiben verleitet, indem er Euch verspricht, dass ihr unter bestimmten Umständen erfolgreich werdet! 



Einige Autoren, die im Laufe der Jahre mit mir zu tun bekamen, haben meinen Verlag nie "von innen" gesehen. So zum Beispiel Janika Hoffmann, der ich direkt einen Verlegerkollegen von mir empfahl und dabei half, sie dort unterzubringen. Oder Rieke Bartlitz, deren Buch "Die fünf Perlen" sich inzwischen auch steigender Bekanntheit und Beliebtheit erfreut. Nicht jeder Autor ist für jeden Verlag geeignet - nicht jeder Verlag für jeden Autor und manchmal passt es einfach zeitlich nicht - was unter anderem vor Kurzem dazu führte, dass die geplante Veröffentlichung zwischen mir und einer meiner Autorinnen nicht zustande kam. Aber ich schweife ab, denn eigentlich wollte ich mit Euch zu den Dinosauriern ... 




"TyrannoSaurus-Ex - Das Ungeheuer Erwachsenwerden" und "TyrannoSaurus Ex, Teil 2 - Ehe schützt vor Fettnapf nicht" heissen die beiden Teile des Debutroman der Susanna Montua nämlich. Und wer diese liebenswerte Autorin bei Facebook bereits kennen lernen durfte, weiß - sie ist wirklich so chaotisch, zwischenzeitlich unsortiert und immer für einen Fettnapf zu begeistern, wie sie es in ihren Büchern aus Sicht ihrer Kindheit, Jugend und jungen Erwachsenenzeit beschreibt. Sprich: "TyrannoSaurus-Ex" hat durchaus das Potential, eine komplette Serie zu werden. Aber mein Verlag hat scheinbar nicht das Potential, das dazugehörige Publikum zu finden. Humorige Alltagsgeschichten mitten aus dem Leben sollte eigentlich jeder Mensch mögen und im Fall unserer Autorin des Öfteren mal froh sein, dass die Pannen ihr passiert sind und nicht dem Leser - aber im Fall meines Publikums lag ich da wohl daneben!
Trotzdem möchte ich es noch mal versuchen, Euch diese beiden Bücher mittels einer Leseprobe ans Herz zu legen! Denn auch, wenn Susanna nicht darüber spricht ... ich weiß, dass ihre Erstlinge ihr immer noch sehr am Herzen liegen!

Leseprobe:

(Tyrannosaurus-Ex, Teil 1)
Freund oder FeindEigentlich faszinierend. Wenn ich so darüber nachdenke, hatte ich es nie wirklich mit den ausländischen Tierchen.
Damals, in Ungarn, wurde eine Phobie geboren. Unsere Mama schimpfte stets, wenn wir beim Anblick einer kleinen Spinne auf Stühle sprangen und wie Mädchen eben sind, herumkreischten.
Zumeist war es Mama, die den unliebsamen Gast entweder vor die Tür oder in die ewigen Jagdgründe beförderte und sich stets über unsere Schreiattacken lustig machte.
Allerdings hätten Sie mal hören sollen, was geschah als Mama eine Maus im Haus entdeckte. Dagegen war unsere Panik lächerlich.
Nun denn, jedenfalls bei einem unserer Ungarnurlaube besuchten wir ein Lokal zum Abendessen. Die Lokale in Ungarn sind super, so
richtig rustikal, mit viel Holz und vielen kleinen Nischen und blöderweise vielen kleinen Rillen im Holz, in welchen sich Spinnen und
Holzwürmer tummeln. Gruselig. Aber urig.
Bei einem solchen Besuch verlangte Mutter Natur bei mir ihren Willen. Ich begab mich also auf Toilette und war sehr erstaunt, wie hoch dieser winzige Raum eigentlich war. Er ähnelte sehr einem Fahrstuhlschacht. Aber man weiß ja nie, inwieweit diese Lokale
umgebaut waren, vielleicht war es ja tatsächlich einer. Ich entdeckte eine winzige Spinne an der Decke dieses Raums, fand diese
Entdeckung aber nicht weiter schlimm. Parkte meinen Hintern also im Schwebesitz über dem WC und ließ laufen. Mein Blick ging dabei ins Nirgendwo, wohin hätte ich auch schauen sollen? Doch plötzlich fing etwas meinen Blick ein. Da ich Brillenträgerin bin, dauert das immer ein wenig und zuerst hatte ich auch keine Ahnung, was genau mir da ins Blickfeld geraten war. Doch dann wurde es deutlich, die irrtümlich als mickrig eingestufte Spinne war zu einem tarantelähnlichen Ungetüm mutiert und seilte sich direkt vor meiner Nase ab.
Ich schaffte es gerade so ein ersticktes Quieken von mir zu geben. Zu schreien traute ich mich nicht, da der Atemstoß, der dabei freigesetzt würde, das Spinnenseil in Schwingung versetzt hätte und ich Schiss hatte, sie würde beim Zurückschwingen in meinem Mund landen. Bei diesen Ausmaßen wäre ich gnadenlos erstickt!
Besagte Spinne schien aber gleichermaßen irritiert, von meinem Anblick zu sein und verhielt sich mucks-mäuschenstill.
Mein Schließmuskel war ohnehin verkrampft, also nahm ich den nächsten Schritt in Angriff, nämlich limbotanzmäßig unter dieser Spinne hindurch zu tanzen, mir dabei beinahe das Kreuz zu brechen, da ich nach links und rechts dank enger Bemessung nicht ausweichen konnte.
Ich schaffte es und ließ bereitwillig das Händewaschen sausen. Ich wollte keine Sekunde länger mit Spiderman in einem Raum verbringen und unterdrückte für den Rest des Abendessens jegliche Körperfunktion. Was diese Spinne eigentlich von mir wollte, kann ich nicht wirklich sagen. Wahrscheinlich hat sie meinen Limboverrenkungstanz gefilmt und mi��lerweile bei Youtube eingestellt
oder so. Oder sie war kurzsichtig und wollte nur mal nach dem Rechten schauen.

(Ehe schützt vor Fettnapf nicht)
Der Schnee. Die Frau. Das Auto.
Es war Winter auf dem Dorf, wo ich lebte. Eine wunderbare Jahreszeit, vor allem wenn Schnee liegt. Plötzlich ist alles leise und ruhig. Die Welt steht still. Und laut meinem Vater und seiner tollen, teuren Wetterstation, sollte es um vier Uhr nachts beginnen zu schneien.
Da ich um vier Uhr in der Nacht aufstehen musste, freute mich diese Aussicht, denn bei Schnee wäre ich nicht gefahren. Doch als ich den Rollladen hoch gezogen hatte, traf mich die nackte und kalte Realität. Nichts! Keine einzige Flocke! Also schlurfte ich ins Bad und
machte mich fertig. Mit frischem Kaffee gestärkt, ging es dann ans Auto und ab Richtung Arbeit. Während ich so im Halbschlaf die
Landstraße entlang eierte, drängte sich etwas seltsames in mein Blickfeld - »Nanu, schneit das?«
Um meine Befürchtung zu bestätigen, betätigte ich das Fernlicht. Tatsache: hier eine Flocke, da eine Flocke! Das sah nun nicht arg aus. Ich dachte bei mir, fahr ich mal weiter, wird ohnehin gleich wieder aufhören – Ja Pfiffedeckele!
Irgendwann, während ich meiner Arbeit im Markt nachging, bemerkte ich kleine, graue Pfützen überall auf dem Boden. Diese stimmten mich nachdenklich, jedoch fiel der Groschen einfach nicht. Aber die Unruhe trieb mich Richtung Ausgang, dort befand sich unsere Markt - Information und auch die einzige Möglichkeit, kurz einen Blick hinaus zu erhaschen.
Dabei wäre ich beinahe rückwärts umgefallen: Schnee und zwar Massen davon! Ich staunte Bauklötze.
Und dann passierte das Unvermeidliche – Der Feierabend kam! Meine Hassinstanz schlechthin stand mir bevor: Fahren im Schnee!
Auf dem Parkplatz angekommen, bemerkte ich schon anhand unfreiwilliger Pirouetten, dass es ein leicht glitschiges Unterfangen
werden würden. Aber die Hoffnung auf geräumte Straßen wollte sich einfach nicht ersticken lassen. Die Realität übernahm dies dann
aber rasch für mich und so kam es, dass ich zwanzig Kilometer mit einer Höchstgeschwindigkeit von maximal dreißig km/h zurücklegen durfte. Aber wenigstens konnte ich bei dieser rasenden Geschwindigkeit auch ein wenig die Landschaft beäugen, die sonst eher stiefmütterlich von mir behandelt wurde. Es guckt sich nun mal schlecht, wenn man mit hundert Sachen durch einen Wald donnert! Aber was am schlimmsten war, ich kannte die Räumbereitschaft meines damaligen Heimatortes ja bereits seit meiner Geburt. Ich wusste also, was mich nach Passieren des Ortsschildes erwarten würde und meine Befürchtungen wurden nicht enttäuscht.
Kaum war ich an dem gelben Schild vorbei, begrüßte mich die kleine Schwester von Novosibirsk! Stetig meldete sich die Traktionskontrolle (bis zu jenem Zeitpunkt wusste ich noch nicht mal, dass ich so etwas überhaupt besitze) und mein Heck eierte wie
ein Pferdeschwanz auf Mückenfang umher. Aber ich hatte es fast geschafft – fast!
Denn die Erkenntnis traf mich wie ein Fausthieb – Wir wohnten auf einem hohen, hohen Berg! Wirklich hoch. So hoch, dass man gewissermaßen als ungeübter Fußgänger bereits ein Sauerstoffgerät brauchte! Dieser Wohnberg wurde von Räum- und Streuarbeiten stets großzügig ausgespart, oft waren wir tagelang von der Außenwelt abgeschnitten.
Ich erinnere mich an das eine Mal, als wir alle noch klein waren und zu Fuß zu gehen die einzige Möglichkeit darstellte, den Berg lebend hinab zu kommen. Meine Schwester Lisbeth und ich waren auf dem Weg zur Schule und sie lief hinter mir. Ich hätte Schlimmes ahnen müssen, sie war normal nicht die Sorte Kind, die sich gerne hinten anstellt, aber dort ließ sie mir freundlich den Vortritt.
Mir wurde sehr rasch klar, weshalb das so war. Sie nutzte mich ganz hinterlistig dazu, die betretbaren Gehwegfetzen auszutesten und als es mich volles Rohr auf die Pflastersteine haute, krallte sie sich an meinem Ranzen fest und schlitterte im sicheren Stand mit mir
den Berg hinab, während ich diesen gefühlten Kilometer tapfer auf meinen vier Buchstaben zurücklegte. Generell gesehen habe ich es nicht so mit Bergen und dem Winter. Als ich auf die weiterführende Schule gegangen bin, musste ich im Schulkinderrudel meinen Weg hoch auf den Berg zurücklegen. Es lief beinahe alles glatt, bis, ja bis ich einen Fuß heben musste, um die rettende, geräumte Treppe zu
erreichen, die zur Schule hinaufführte. Mein anderer Fuß stand allerdings auf einer glitschigen Eisscholle und so witschte dieser
weg. Es klatschte mich der Länge nach auf den Asphalt und durch die Wucht des niedersausenden Schulranzens, bekam ich voll Speed
drauf und rutschte den gesamten, blöden Berg wieder hinab. Ohne die Chance auf Stopp, selbst als ich Lebend-Bowling mit den anderen Schulkindern spielte. Ich stoppte nicht, bis ich endlich am Fuße des Berges angelangt war. Dort rappelte ich mich wieder auf und blickte den Weg entlang, den ich unfreiwillig zurückgelegt hatte. Eine Schneise der Verwüstung offenbarte sich mir. Unzählige Schulkinder kullerten auf dem Bauch und dem Rücken umher, wie Käfer auf dem Rücken, beim Versuch sich aufzurappeln, stürzten
sie, manche bewegten sich nur mehr krabbelnd vorwärts und auch ich musste den gesamten Weg erneut zurücklegen. Jedoch gelang es mir diesmal, ohne erneuten Ausflug in die Bowlingwelt!
Aber wo war ich? Ach ja, Berg. Ich erkannte jedenfalls (auf Schnee sogar sehr eindrücklich) dass in der letzten Zeit kein Auto den Berg hoch oder runter gekommen war. Es gab keinerlei Spuren und so wollte ich mein Glück nicht herausfordern und dachte mir, ich fahre außenrum. Zur Erklärung. Es gab einen ewig steilen Weg und einen stetig steigenden Weg, der quasi einmal außen herum führte. Auf den ersten Blick war die langgezogene Steigung die bessere Lösung.
Doch als ich den Berg umrundet hatte und dann von oben her kam, wurde es mir bewusst. Eine wirklich saublöde Idee!!!
Von hier aus anfahrend, müsste ich zu unserem Wohngebiet zumindest einen Teil den Berg wieder hinunter. Ich würde also entweder bremsen müssen oder einfach so den Berg hinabrutschen und unten in der Hecke des Zahnarztes landen!!! Schweiß trat auf meine Stirn, die Finger umklammerten das Lenkrad – es gab nur diese eine Chance!
Am Straßenrand versammelten sich bereits schneeschippende Schaulustige, klein Nana haute den den ersten Gang hinein, der Motor
röhrte, rasch das Knöpfi für die Traktionskontrolle gedrückt – endlich aus das Teil und ab auf die Neigung, das Heck eierte nach links und rechts, ich riss das Lenkrad herum (Elchtest ich komme) und tatsächlich die Kurve gekratzt, dann hieß es, einen weiteren, sehr kurzen Berg hinauf schlittern, im ersten Gang und mit Vollgas. Doch dann war es vollbracht. Mit letzter Kraft schob sich mein Auto den Berg hinauf und schien genauso aus der Puste zu sein, wie ich auch.
Ab diesem Tag stand fest, die nächste Wohnung befindet sich im Tal!


Ja, das waren sie, die beiden Einblicke in die beiden Bände dieses Erlebnisbuches der Susanna Montua. Warum ich ausgerechnet diese beiden Bände heute bewerbe? Na ... ratet doch mal! 

Passt auf Euch auf!
Britta Wisniewski
Traumstunden Verlag Essen